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Die Verlierer der deutschen Krise – Halb Europa befindet sich im Abschwung, und Deutschland? Auch hier ist für mehr als zwölf Millionen Menschen, die an der Armutsgrenze leben, die Krise allgegenwärtig und konkret. Sie gehören zu den Verlierern des Systems. Es sind die Leiharbeiter, Minijobber, Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen, Alleinerziehende, Menschen, die überhaupt keine Arbeit haben.

Februar 20, 2012


Allein in München leben rund 160.000 Menschen unter der Armutsgrenze.

Die Bundeskanzlerin sagte in ihrer Neujahrsansprache, dass es Deutschland gut gehe. Und tatsächlich, der Normalbürger spürt keine Krise, solange die Regale in den Supermärkten voll sind und das Geld jeden Monat pünktlich auf dem Konto ist. Eine Schlagzeile wie „Mehr als zwölf Millionen Deutsche von Armut bedroht“ liest er, ohne sich weiter Gedanken darüber zu machen. Denn man ist selbst nicht betroffen.

Für die mehr als zwölf Millionen Menschen, die an der Armutsgrenze leben, ist die Krise hingegen allgegenwärtig und konkret. Sie gehören zu den Verlierern des Systems. Es sind die Leiharbeiter, Minijobber, Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen, Alleinerziehende, Menschen, die überhaupt keine Arbeit haben.

Die Zahl der Verlierer in Deutschland wächst. Für ärmere Menschen sind Leistungen in vielen Lebensbereichen unbezahlbar geworden. Schuld sind Privatisierungen und die Liberalisierung, zum Beispiel im Gesundheitssystem, in der Pflege, im Bildungswesen, bei den Renten und bei vielen öffentlichen Dienstleistungen. Die Industrie und die großen Konzerne missbrauchen die Reformen des Arbeitsmarktes, die einst als alternativlos zur Konjunkturförderung eingeführt wurden, um ihren Profit zu steigern.

Wir stehen heute in Deutschland einer weit größeren Bedrohung als der Euro-Krise gegenüber. Die ungerechte und ungleichmäßige Verteilung von Besitz und Wohlstand hat dazu geführt, dass die politische Macht in den Händen einiger weniger konzentriert ist. Banken haben zum Beispiel viel zu großen Einfluss auf die Politik. Das ist eine Gefahr für unsere freiheitliche demokratische Grundordnung – mächtiger, konkreter und gegenwärtiger als alle anderen Gefahren.

Die Bürger müssen wieder nachvollziehen können, welche Interessen tatsächlich hinter politischen Entscheidungen stehen, wer von ihnen profitiert und wer als Verlierer auf der Strecke bleibt.

Immer, wenn unsere Politiker ihre Maßnahmen damit begründen, dass sie alternativlos seien, sollten wir aufhorchen. Weder in der Politik noch in der Wirtschaft sind Entscheidungen tatsächlich alternativlos.

Ändert sich nichts, bedeutet diese Krise das Ende unserer Demokratie.

http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-02/leserartikel-krise-demokratie

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