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Merkel, Cameron und Obama Verbündeter Saudi-Arabien lässt Demonstranten erschießen und verletzen – Saudis fordern für jungen Tweeter wegen Äußerung über Mohammed als Rebell die Hinrichtung – Solidarität mit dem Twitter Hamza Kashgari – Schluss mit der Unterstützung und Kumpanei mit der saudi-arabischen Despotie – war sogar Interpol an der Verhaftung des Tweeters als Handlanger der Despotie beteiligt – ausgerechnet Saudi-Arabien spielt sich als Kritiker und Scharfmacher gegen Syrien auf

Februar 14, 2012

10. Februar 2012, 13:53, NZZ Online

Dutzende Menschen bei Protesten in Saudi-Arabien verletzt

(sda/ afp) Dutzende Menschen seien zudem verletzt worden, sagten Augenzeugen und Menschenrechtsaktivisten am Freitag.

Der Vorfall ereignete sich demnach bereits am Donnerstagabend, als zahlreiche Angehörige der schiitischen Minderheit zu einer Prozession zum Gedenken an den Geburtstag des Propheten Mohammed zusammenkamen.

Den Angaben zufolge wurde ein 21-Jähriger durch Schüsse verletzt. Er sei wenig später im Spital gestorben. Bei der Prozession forderten die Demonstranten demnach die Freilassung politischer Gefangener und Reformen.

In Saudi-Arabien ist der Wahhabismus, eine sehr strenge Auslegung des sunnitischen Islam, Staatsreligion. Die Staatsführung lehnt deswegen unter anderem die Feiern zum Geburtstag Mohammeds ab, weswegen es zuletzt immer wieder zu Konflikten mit Schiiten kam. Erst Mitte Januar hatte die Polizei im Osten des Landes einen schiitischen Gläubigen erschossen.

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/saudi-arabien_protest_1.14951238.html

Kopf des Tages

Der Ketzer, der den Rebellen im Propheten liebte

Kopf des Tages | 14. Februar 2012 18:32
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    Foto: frontlinedefenders.org

Twitterer Hamza Kashgari, an die Saudis ausgeliefert

Hamza Kashgaris Tweets, die ihn wegen Ketzerei das Leben kosten könnten, stehen in einer großen lyrischen arabischen Tradition. Aber die hat ein in dümmlicher Bigotterie versunkenes islamisches Establishment einfach vergessen – ausmerzen lässt sie sich aber nicht.

Da ringt ein junger Mensch in Saudi-Arabien in Kurzgedichten mit seinem Glauben und sieht im islamischen Religionsgründer vor allem einen Menschen – was ja der islamischen Behauptung, dass Muhammad nicht vergöttlicht werden soll, durchaus entspricht: „An deinem Geburtstag werde ich sagen, dass ich den Rebell in dir liebte, der mich immer inspirierte – und dass ich den Heiligenschein nicht mag. Ich bete dich nicht an.“ Dieser und zwei folgende Tweets, ebenso poetisch und ergreifend, lassen ausgewachsene Theologen vor TV-Kameras weinen ob der dem Propheten angetanen Schmach.

Der Autor, Hamza Kashgari, 23, sitzt in Haft: Er wollte nach Neuseeland flüchten, in Malaysia wurde er jedoch festgenommen und – ohne dass Malaysia durch ein bilaterales Abkommen dazu verpflichtet gewesen wäre – nach Saudi-Arabien ausgeliefert. Dort wollen die Eiferer seinen Kopf. Es sind nicht nur islamische Funktionäre wie der Großmufti, ein Nachfahre von Ibn Abdulwahhab, der im 18. Jahrhundert eine Allianz mit den Sauds einging, deren Resultat das heutige wahhabitische saudische Königreich ist. Eine Facebook-Seite von Kashgari-Hassern hat zehntausende „Freunde“, eine mit Verteidigern nur tausende.

Von seinen Gegnern wird auch manchmal angeführt, dass Kashgari ein „türkischer“ Name ist, das heißt, der Apostat sei ja gar kein „echter Saudi“. Kashgar ist eine Stadt beziehungsweise ein Bezirk in der chinesischen Uiguren-Provinz Xinjiang, und dass seine Vorfahren auf der Seidenstraße nach Turkmenistan gekommen sind, woher die Familie stammt, ist nicht so unwahrscheinlich.

Kashgari arbeitete bei der Zeitung Al-Bilad, die aber bald feststellte, dass die „allgemeinen Ansichten“ ihres Kolumnisten nicht zu ihr passten. Schon äußerlich fällt Kashgari aus dem saudi-arabischen Rahmen, ein bisschen zu lässig und modern, auch wenn sein Wohnort Jiddah weniger verzopft ist als das Landesinnere. Ob er die Grenzen des Möglichen ausloten wollte oder die Realität des Landes, in dem er lebte, verdrängte? Mittlerweile hat er sich in einem offenen Brief entschuldigt: Ob ihm auf dieser Erde verziehen wird, bleibt zu sehen. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 15.2.2012)

http://derstandard.at/1328507757571/Kopf-des-Tages-Der-Ketzer-der-den-Rebellen-im-Propheten-liebte?_blogGroup=1

Interpol wäscht Hände in Unschuld

Peter Mühlbauer 14.02.2012

Die internationale kriminalpolizeiliche Organisation bestreitet eine Beteiligung an der Rückführung des Mohammed-Twitterers Hamsa Kaschgari nach Saudi-Arabien, wo ihm die Todesstrafe droht

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Am 4. Februar versandte der 23-jährige saudische Journalist Hamsa Kaschgari zum Mawlid an-Nabi, dem Geburtstagsfest des islamischen Propheten Mohammed, drei Tweets, die sein Leben veränderten und möglicherweise stark verkürzen werden. Übersetzt lautete der Inhalt der drei Kurzmitteilungenangeblich wie folgt:

An Deinem Geburtstag werde ich sage, dass ich den Rebellen in Dir geliebt habe, dass Du für mich immer eine Quelle der Inspiration warst – und dass ich die Heiligenscheine der Göttlichkeit um Dich herum nicht mag. Ich werde nicht für Dich beten.

An Deinem Geburtstag finde ich Dich, wo immer ich mich hinwende. Ich werde sagen, dass ich Aspekte von Dir geliebt und andere gehasst habe. Und viele weitere konnte ich nicht verstehen.

An Deinem Geburtstag werde ich mich nicht vor Dir verbeugen. Ich werde nicht Deine Hand küssen. Vielmehr werde ich sie schütteln, wie einander Gleiche es tun, und Dir zulächeln, so wie Du mir zulächelst. Ich werde mit Dir als Freund sprechen und als nichts anderes.

Diese drei Tweets lösten in Saudi-Arabien eine Empörung aus, die die Frage aufwirft, ob der wahabitische Islam tatsächlich so monotheistisch ist, wie er sich selbst gerne darstellt: Auf Facebook forderte ein religiöser Online-Mob Kaschgaris Hinrichtung und Scheich Nasser al-Omar verlangte vom saudischen König Abdullah unter Einsatz seiner Tränendrüsen, ihn als ersten Schritt dazu wenigstens einmal wegen Abfalls vom Islam vor Gericht zu stellen. Nachdem darauf hin ein Haftbefehl erlassen wurde, flüchtete Kaschgari in die malaysische Hauptstadt Kuala Lumpur, von wo aus er Medienberichten zufolge nach Neuseeland weiterreisen und dort um Asyl ersuchen wollte.

Hamsa Kaschgari.

Doch die Behörden in dem moslemischen Land machten dem Journalisten einen Strich durch die Rechnung und nahmen ihn am Donnerstag am Flughafen fest. Am Sonntag folgte seine Rückführung in die Wahabitenmonarchie im Gewahrsam saudischer Beamter. Fair Trials International und andere Organisationen brachten das Gerücht auf, Kaschgari sei durch eine „rote“ Interpol-Mitteilung nach Saudi-Arabien ausgeliefert worden. Die internationale kriminalpolizeiliche Organisation kennzeichnet ihre Mitteilungen mit sechs Farbcodes: Rot steht für eine Festnahme mit dem Ziel der Auslieferung, Blau für das Sammeln von Informationen über eine Person, Grün für eine Warnung vor weiteren Straftaten, Gelb für eine Vermisstenmeldung, Schwarz für die Identifizierung einer Leiche und Orange für eine Gefahr für die Sicherheitskräfte.

Im Falle einer roten Mitteilung prüft die unabhängige Commission for the Control of Interpol’s Files (CCF), ob das Ersuchen nicht gegen das Nichteinmischungsgebot in politische und religiöse Fragen verstößt. Trotzdem kommt es immer wieder zu Vorwürfen, dass sich die Organisation zum Handlanger für die Verfolgung politischer Gegner machen lässt. Zuletzt erregte der Fall des indonesischen Papua-Separatisten Benny Wenda Aufsehen, nach dem mit einer roten Mitteilung gefahndet wurde, obwohl er in Großbritannien politisches Asyl erhalten hatte. Nachdem die Interpol-Pressestelle aus dem Wochenende zurück war, wies man den Vorwurf, eine rote Mitteilung hätte bei der Rückführung Kaschgaris nach Saudi-Arabien eine Rolle gespielt, weit von sich.


Dazu passt, dass die malaysischen Behörden am Montag nicht von einer Auslieferung, sondern von einer Abschiebung Kaschgaris sprachen. Diese versuchte der malaysische Innenminister Datuk Seri Panglima Hishammuddin bin Tun Hussein durch die Einbringung eines Reizbegriffs international zu rechtfertigen: Malaysia, so Hussein, sei nämlich „kein sicherer Zufluchtsort für Terroristen und Personen, nach denen in ihrer Heimat gefahndet wird“. Die Vorwürfe von Menschenrechtsorganisation wie Human Rights Watch seien „lächerlich“, weil Saudi-Arabien ein international respektiertes Land sei. Human Rights Watch hatte die malaysische Regierung am Freitag dazu aufgefordert, sich nicht durch eine Auslieferung an der Hinrichtung Kaschgaris mit schuldig zu machen, die in Saudi-Arabien bereits beschlossene Sache sei.

From → Saudi-Arabien

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