Skip to content

Die internationale Berichterstattung über Syrien ist extrem einseitig. Sie erinnern an den Verlauf des Irakkrieges. Bitte diese Informationen für ein neutraleres Bild sorgen! Jürgen Todenhöfer (ehemaliger CDU-Bundestagsabgeordneter) berichtet von Syrien: Der Westen spielt in Syrien und im Iran ein gefährliches Spiel. Wenn es in diesen beiden Ländern zu Kriegen mit westlicher Beteiligung kommt, erleben wir den schwersten Militärkonflikt seit dem Zweiten Weltkrieg. Dann gehen auch in Europa die Lichter aus. Es gibt nur eine Lösung: Verhandeln. Verhandeln ist immer besser als Kriege oder Bürgerkriege anzuheizen. Aber im Hintergrund steht der Versuch der USA, einen „Greater Middeleast“ zu schaffen, in dem es nur noch linientreue, pro-amerikanische Staaten gibt. Die USA betrachten die gesamte Region als ihr Revier. Von Kissinger stammt der Satz, dass Öl viel zu wertvoll sei, als dass man es den Arabern überlassen dürfe. Ich habe große Sympathien für das demokratische Amerika, aber im Nahen Osten geht es den USA nicht um Demokratie. Sonst müssten sie ja auch die Demonstrationen in Saudi-Arabien, Katar und Bahrain unterstützen, aber dort unterstützen sie die diktatorischen Regierungen. Mich erinnert die Berichterstattung aus Syrien in erschreckender Weise an die Berichterstattung vor dem Beginn des Irak-Krieges. Wir bekommen im Westen immer nur zu hören, welche Untaten die staatlichen Sicherheitskräfte verüben. Aber die Untaten der anderen Seite werden totgeschwiegen. Die internationale Berichterstattung ist extrem einseitig. Zurzeit hat in Syrien die Opposition ein Informationsmonopol, das sie über al-Dschasira und al-Arabia gnadenlos ausübt. In Sachen Internet ist Syrien eines der am weitesten entwickelten Länder der arabischen Welt. Das hat Assad übrigens persönlich angeordnet. Es gibt auf beiden Seiten auch bewaffnete Einheiten, die sich gnadenlose militärische Auseinandersetzungen liefern. Dabei werden immer wieder Zivilisten getötet. Das ist völlig inakzeptabel und wird zu Recht hart kritisiert. Das sind bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen. Wir bekommen im Westen immer nur zu hören, welche Untaten die staatlichen Sicherheitskräfte verüben. Aber die Untaten der anderen Seite werden totgeschwiegen.

Februar 6, 2012

„Ausländische Kräfte unterstützen den Aufstand“

Autor Jürgen Todenhöfer reist immer wieder nach Syrien. Auch mit Machthaber Assad hat er sich getroffen. Todenhöfer plädiert für eine neutrale Sicht auf den Konflikt.

Jürgen Todenhöfer liebt Syrien. Man spürt seine tiefe Verbundenheit mit dem arabischen Land, wenn er von den Menschen, ihren Sitten, ihrer jahrtausendealten Kultur und ihrer Erzähltradition spricht.

Baschar al-Assad
FOTO: REUTERSInternational wird Baschar al-Assad scharf kritisiert, doch in Syrien gibt es noch einige, die zu ihm halten – und in der Innenstadt von Damaskus Portraits wie dieses hissen.

Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete besucht Syrien so oft er kann – manchmal mehrmals im Jahr. Vor einem Monat reiste er fast vier Wochen durch das Land. Er konnte sich ungehindert bewegen. Todenhöfer war in Damaskus, aber auch in Homs, Hama und Daraa, den Orten, die seit fast einem Jahr wegen blutiger Auseinandersetzungen zwischen den Sicherheitskräften des Regimes und Aufständischen Schlagzeilen machen.

Todenhöfer
FOTO: © JÖRG KRAUTHÖFERAutor Jürgen Todenhöfer

Er wurde von Staatschef Baschar al-Assad zu einem langen Gespräch eingeladen. Todenhöfer verteidigt das Regime nicht, aber er warnt vor einer „Dämonisierung“. Er beschreibt den Freiheitswillen der jungen Syrer, die sich in friedlichen Demonstrationen im Landesinneren Bahn bricht, aber er berichtet auch von Guerilla-Aktionen bewaffneter Rebellen, denen auch Zivilisten zum Opfer fallen.

Jürgen Todenhöfer sagt dennoch: „Ich weiß, dass auch ich noch viel zu wenig weiß“ und er setzt auf Verhandlungen zur Lösung des Konflikts.

  • 1 von 5
Das Leben des Jürgen Todenhöfer

Jürgen Gerhard Todenhöfer wurde am 12. November 1940 in Offenburg geboren.

Welt Online: Herr Todenhöfer, Sie waren erst kürzlich in Syrien. Wer hat Sie eingeladen und wie frei konnten Sie reisen?

Jürgen Todenhöfer: Niemand hat mich eingeladen.

Welt Online: Sie sind also einfach so als Tourist eingereist? Geht das denn?

Todenhöfer: Ja, es geht. Ich reise seit mehr als zehn Jahren nach Syrien. Ich habe ein Buch über Syrien und den Irak geschrieben, das auch auf Arabisch übersetzt wurde. Es beginnt beim Hakawati, dem Märchenerzähler an der Omaijaden-Moschee in Damaskus. Da gehe ich jedes Jahr hin. Syrien ist Wiege unserer Zivilisation und Damaskus eine der schönsten Städte Arabiens. In der Omaijaden-Moschee ist der Kopf von Johannes dem Täufer begraben, in Damaskus wurde Saulus zu Paulus.

VIDEO

Syrian President Bashar al-Assad deliver a speech

Ein Rücktritt kommt für Assad nicht in Frage

Welt Online: Verstehen und sprechen Sie denn arabisch?

Todenhöfer: Kein Wort.

Welt Online: Wie unterhalten Sie sich dann?

Todenhöfer: Ich habe meist einen oder zwei Übersetzer dabei.

Welt Online: Was hat sie bewogen, gerade jetzt wieder nach Syrien zu fahren, allen Warnungen zum Trotz?

Todenhöfer: Wenn man zehn Jahre lang immer wieder in dieses Land reist, gibt es keinen Grund gerade jetzt nicht hinzufahren. Dieses Mal gab es anfangs Schwierigkeiten. Ich wurde am Flughafen in Damaskus festgehalten, weil der syrische Geheimdienst ein Einreiseverbot gegen mich erlassen hatte. In der „Zeit“ hatte ich einen Artikel geschrieben, den manche in Syrien als zu kritisch ansahen. Es dauerte über zwei Stunden, bis ich endlich ins Land durfte. Das hat mir allerdings später geholfen, weil ein Deutsch-Syrer diese Szene mitbekommen und sie einige Tage später bei einem Empfang Assad geschildert hat. Daraufhin hat Assad mich zu einem Gespräch eingeladen.

Welt Online: Assad hat für März eine Volksabstimmung über eine neue Verfassung angekündigt. Wie ernst ist diese Initiative zu nehmen? Lenkt Assad eigentlich selbst die Geschicke in seinem Land?

Todenhöfer: Ich glaube, dass er der mächtigste Mann im Land ist. Und dass er durch die Krise stärker geworden ist.

VIDEO

Hundertausende protestieren gegen Assad-Regime

Welt Online: Warum?

Todenhöfer: In einer Krise entscheidet sich, ob man die Dinge an sich ziehen kann oder eher anderen übergeben muss. Mir scheint es, dass Assad inzwischen klar die Richtung der Politik vorgibt. Ich glaube, dass diese Volksabstimmung über eine demokratische Verfassung seine Idee ist. Assad hat, als er vor zehn Jahren an die Regierung kam, versucht, das Land zu modernisieren. Er ist dabei auf viele Schwierigkeiten gestoßen. Von innen und außen. Im Westen wurde ja eine Zeit lang der Vorwurf erhoben, er habe etwas mit dem Mord an dem früheren libanesischen Ministerpräsidenten Hariri zu tun. Heute ist es erwiesen, dass es nicht so war. Assad ist jedenfalls mit dem Bemühen, das Land umzugestalten, nicht so weit gekommen wie er es vorgehabt hatte.

Welt Online: Was hat ihn gehindert?

Todenhöfer: In Ländern wie Marokko, Saudi-Arabien oder Syrien gibt es starke beharrende Kräfte. Assad hatte nicht nur das Hariri-Problem, er musste anschließend auch die syrischen Truppen aus dem Libanon abziehen. Das alles hat zu einer innenpolitischen Situation geführt, in der es schwer war, grundlegende Reformen gegen die beharrenden Kräfte durchzusetzen.
Assad hat mir ausdrücklich gesagt, dass er Demokratie in Syrien für „zwingend“ hält. Und dass die Erarbeitung einer demokratischen Verfassung dabei eine große Rolle spielen müsse.

Welt Online: Will er auch auf das Primat seiner Baath-Partei verzichten?

Todenhöfer: Er hat mir gegenüber betont, alle Parteien würden zugelassen. Die Volksabstimmung im März ist für ein autokratisches Land wie Syrien eine revolutionäre Entscheidung, weil Assad dadurch die Entscheidung über die Zukunft des Landes in die Hände des Volkes legt. Das Volk hat ja nicht nur die Möglichkeit diese Verfassung anzunehmen, es kann sie auch ablehnen. Ich kenne nicht viele autokratische Herrscher, die eine solche Volksabstimmung wagen würden.

Welt Online: Das heißt, Sie glauben an den Veränderungswillen Assads, und Sie glauben, dass das ein realistischer Weg für das Land sein kann?

Todenhöfer: Je stärker der Westen auf ihn einprügelt, desto schwerer wird es für Assad. Mir hat ein marxistischer Oppositionspolitiker, der unter Assads Vater 14 Jahre im Gefängnis saß, gesagt, der einzige, der Syrien auf friedlichem Weg in die Demokratie führen könne, sei Baschir al-Assad. Auch weil die Mehrheit der Syrer noch immer einen großen Unterschied zwischen Assad und dem System mache.

VIDEO

Traumatisierter Syrien-Beobachter verlässt das Land

Welt Online: Was soll der Westen denn dann tun? Assad stützen? Mit ihm verhandeln? Die westlichen Medien stehen unter dem Druck von Bildern brutaler Gewalt, die aus dem Land kommen. Und es gibt wenige objektive Berichte.

Todenhöfer: Die Lage in Syrien ist sehr komplex. Obwohl überraschenderweise nicht nur Assad-Gegner, sondern auch Assad-Anhänger lautstark Demokratie fordern. Demokratie ist in Syrien inzwischen weitgehend unstreitig. Ich habe Demonstrationen in Damaskus erlebt, an denen zwischen einer und zwei Millionen Menschen teilnahmen.

Die Menschen riefen in Sprechchören „Assad, Demokratie“, „Assad, Freiheit“. Die syrischen Aufständischen wollen natürlich auch Demokratie, allerdings ohne Assad. Es gibt also friedliche Demonstrationen für und gegen Assad, aber immer für Demokratie.

Allerdings gibt es auf beiden Seiten auch bewaffnete Einheiten, die sich gnadenlose militärische Auseinandersetzungen liefern. Dabei werden immer wieder Zivilisten getötet. Das ist völlig inakzeptabel und wird zu Recht hart kritisiert.

Mir haben allerdings führende syrische Oppositionspolitiker gesagt, dass auch die oppositionelle Guerilla Zivilisten töte und „Rechnungen begleiche“. Ich war in Homs im Haus eines bekennenden Assad-Anhängers. Von einem gegenüberliegenden Hochhaus hat man ins Zimmer seiner dreijährigen Tochter geschossen. Ich habe die Einschläge gesehen. Am Tag nach meinem Besuch bekam er eine Morddrohung und musste sein Haus verlassen. Ich selbst bin in Homs in schweres Kreuzfeuer geraten, als zwei Polizisten von Guerillas beschossen wurden.

Das sind bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen. Wir bekommen im Westen immer nur zu hören, welche Untaten die staatlichen Sicherheitskräfte verüben. Aber die Untaten der anderen Seite werden totgeschwiegen. Die internationale Berichterstattung ist extrem einseitig.

Welt Online: Warum lässt Assad dann keine Journalisten im Land zu, die ein objektiveres Bild zeichnen könnten?

Todenhöfer: Das ist ein großer Fehler der Regierung. Ich habe den Wert des freien Journalismus noch nie so stark gespürt wie in Syrien. Zurzeit hat in Syrien die Opposition ein Informationsmonopol, das sie über al-Dschasira und al-Arabia gnadenlos ausübt. Im Homs beispielsweise gibt es vier Satellitenstationen, denen jeder Handyfotograf in Sekundenschnelle seine Bilder übermitteln kann. Das wird verständlicherweise auch genutzt.

Welt Online: Wie sieht es mit dem freien Zugang ins Internet aus?

Todenhöfer: In Sachen Internet ist Syrien eines der am weitesten entwickelten Länder der arabischen Welt. Das hat Assad übrigens persönlich angeordnet. Wenn Sie in ein Restaurant gehen, haben Sie fast überall sofort kostenlos Wireless-Lan und können ihre Emails empfangen. Vor ein paar Wochen ging trotzdem die Meldung durch die Welt-Presse, dass iPhones jetzt in Syrien verboten seien. Ich habe darauf in Damaskus angerufen und meinen Gesprächspartner danach gefragt. Er lachte: „Sie rufen mich doch gerade auf meinem iPhone an“. Die Hälfte der Meldungen zu Syrien ist falsch.

Welt Online: Kennen Sie weitere Beispiele?

Todenhöfer: In der Weltpresse wurde während meines Aufenthaltes in Damaskus gemeldet, dass das Hauptquartier der Baath-Partei angegriffen und schwer beschädigt worden sei. Es habe einen Toten gegeben. Mich hat das sehr beeindruckt. Bis dahin war für mich Damaskus eine sichere Stadt, in der es sogar noch einige Touristen gab.

Ich bin daher am nächsten Tag zu dem Gebäude hingefahren. Zwei freundliche Polizisten standen vor dem unversehrten Gebäude. Als ich fragte, wo denn die schweren Beschädigungen seien, haben sie mir zwei zerstörte Glasscheiben in der Eingangshalle gezeigt, in die jemand einen Knallkörper geworfen hatte. Bei meinem Besuch in Homs habe ich gesehen, dass die Marktstände mit Essen und Gemüse gefüllt waren. Auch ich habe da eingekauft. Ein paar Tage später las ich in der Weltpresse: „Humanitäre Katastrophe in Homs“.

Ich bin kurz danach noch ein zweites Mal in die Stadt gefahren und habe mich dort mit Rebellen getroffen. Ich treffe mich immer mit beiden Seiten. Ich habe sie nach der „humanitären Katastrophe“ gefragt. Sie haben lachend zugegeben: „Das haben wir lanciert.“ Sie waren ganz stolz. Wenige Tage später wurde in Homs ein Bus mit jungen Alawiten von Motorrädern gestoppt. Die jungen Männer wurden von den Angreifern aus wenigen Metern exekutiert.

Nur einer hat überlebt. Er schilderte, dass die Täter bewaffnete Rebellen waren. Der Angriff war ein Signal an Assad, der auch Alawit ist. Am Abend hieß es trotzdem in den Nachrichten von al-Dschasira, Assad habe in Homs wieder einmal unschuldige junge Männer umbringen lassen. Mich erinnert die Berichterstattung aus Syrien in erschreckender Weise an die Berichterstattung vor dem Beginn des Irak-Krieges. Die Berichterstattung des syrischen Staatsfernsehens ist allerdings auch nicht besser.

VIDEO

Arabische Liga verstärkt Beobachtereinsatz

Welt Online: Woher bekommen denn die Rebellen ihre Unterstützung? Sind es feindlich gesinnte Nachbarländer wie Saudi-Arabien und Katar, die sich ja auch schon in Libyen engagiert haben? Ist dieser Konflikt auch ein innerislamischer Konflikt?

Todenhöfer: Ich war vier Wochen im Land. Trotzdem weiß ich, dass ich vieles nicht gesehen habe. Aber ich habe gesehen, dass dieser Aufstand nicht immer friedlich ist. Es gibt Kräfte im Ausland, die dem gewalttätigen Teil des Aufstandes schwere Waffen zur Verfügung stellen. Da ist die heißeste Spur Katar. Katar war auch der große Waffenlieferant in Libyen. Die Amerikaner greifen nicht direkt ein, der bewaffnete Widerstand wird über arabische Nachbarstaaten organisiert, vor allem über Katar und Saudi-Arabien. In Katar ist auch al-Dschasira beheimatet.

Welt Online: Ist das dann so eine Art Stellvertreter-Krieg?

Todenhöfer: Das weiß ich nicht. Ich bin auch kein Anhänger von Verschwörungstheorien. Aber im Hintergrund steht der Versuch der USA, einen „Greater Middeleast“ zu schaffen, in dem es nur noch linientreue, pro-amerikanische Staaten gibt. Die USA betrachten die gesamte Region als ihr Revier. Von Kissinger stammt der Satz, dass Öl viel zu wertvoll sei, als dass man es den Arabern überlassen dürfe.

Die Amerikaner haben die Revolution in Tunesien und in Ägypten verschlafen. Doch dann haben sie die Entscheidung getroffen, die Umwälzungen in der arabischen Welt in ihrem Sinne mitzugestalten. Ich habe große Sympathien für das demokratische Amerika, aber im Nahen Osten geht es den USA nicht um Demokratie. Sonst müssten sie ja auch die Demonstrationen in Saudi-Arabien, Katar und Bahrain unterstützen, aber dort unterstützen sie die diktatorischen Regierungen.

Welt Online: Wie wird es nach ihrer Einschätzung weitergehen in Syrien?

Todenhöfer: In Syrien wird es eine Demokratie geben wie in der gesamten arabischen Welt. Gewalt gegen die dafür friedlich Demonstrierenden ist inakzeptabel. Aber als ich Assad fragte, warum nicht – wenigstens für eine bestimmte Zeit – auch die Gewalt gegen die bewaffneten Rebellen eingestellt werden könne, fragte er mich, ob ich ihm ein westliches Land nennen könne, das es zulasse, dass jeden Tag 20 bis 30 seiner Soldaten getötet würden.

Er hat mich gefragt: Würde Frau Merkel das akzeptieren? Ich hatte darauf keine Antwort. Ich habe ihm gesagt, dass er dennoch einen Dialog führen müsse, auch mit den extremen Kräften. Nur über einen Dialog könne es einen Waffenstillstand geben. Er müsse sich an die Spitze der Demokratiebewegung stellen, um Frieden und Demokratie zu erreichen.

VIDEO

Französischer Journalist in Syrien getötet

Welt Online: Was hat er darauf geantwortet?

Todenhöfer: Er hat gesagt, das wichtigste sei, dass eine wirklich demokratische Verfassung erarbeitet werde, und das Volk darüber entscheiden könne.

Welt Online: Wie frei wird denn eine solche Volksabstimmung sein?

Todenhöfer: Wir sollten fordern, dass es neutrale Wahlbeobachter gibt, wie zum Beispiel die Jimmy-Carter-Foundation. Dieser Konflikt ist so kompliziert und so gefährlich, dass der Westen als Vermittler und nicht als Scharfmacher auftreten sollte. Verhandeln ist die einzige vernünftige Haltung in diesem Konflikt.

Welt Online: Sind die Beobachter der arabischen Liga gescheitert?

Todenhöfer: Nein. Es ist normal, dass Beobachter zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Auch ich gehe davon aus, dass die syrische Regierung die Beobachter dorthin bringt, wo die Dinge für sie nicht allzu schlecht aussehen und dass dabei manipuliert wird. Aber die Beobachter haben die Möglichkeit mit vielen Menschen zu sprechen.

So wie ich auch. Ich habe Leute getroffen, die mir gesagt haben „Assad muss weg“, und ich habe welche getroffen, die gesagt haben „Ich liebe Assad“. Ich glaube, dass der Präsident Assad für jeden Zivilisten, der bisher gestorben ist, die politische Verantwortung trägt. So wie Obama für jeden Zivilisten, der durch US-Drohnen in Pakistan und durch US-Bomben in Afghanistan getötet wird, die Verantwortung trägt. Ich wiederhole: Es gibt nur eine Lösung: Verhandeln.

Welt Online: Der Westen lehnt aber Verhandlungen mit Assad ab.

Todenhöfer: Ich bekomme immer wieder zu hören, man könne nicht mit einem Mann verhandeln, der Blut an den Händen habe. Da sage ich: Die erfolgreichsten Verhandlungen, die wir geführt haben, waren Verhandlungen mit den Führern des sowjetischen Kommunismus.

Sie hatten das Blut von Millionen Menschen an ihren Händen. Wir haben uns vor dem US-Präsidenten George W. Bush verneigt, der das Blut hunderttausender unschuldiger Iraker an den Händen hat. Und wir verhandeln mit Saudi-Arabien, das immer noch öffentlich enthaupten, steinigen und auspeitschen lässt.

Wenn Politiker sagen, man könne mit Assad nicht verhandeln, dann ist das unehrlich und heuchlerisch. Verhandeln ist immer besser als Kriege oder Bürgerkriege anzuheizen. Der Westen spielt in Syrien und im Iran ein gefährliches Spiel. Wenn es in diesen beiden Ländern zu Kriegen mit westlicher Beteiligung kommt, erleben wir den schwersten Militärkonflikt seit dem Zweiten Weltkrieg. Dann gehen auch in Europa die Lichter aus. Einigen im Westen scheint das nicht klar zu sein.

http://www.welt.de/politik/ausland/article13829324/Auslaendische-Kraefte-unterstuetzen-den-Aufstand.html

Reportage von Jürgen Todenhöfer für den Weltspiegel, ARD (SWR),
gesendet am 27. November 2011

Der Schurke ist international ausgemacht: Bashar al Assad, Präsident von Syrien: Ein Diktator, der selbst in der arabischen Welt weitgehend isoliert ist; ein Mann, der brutal auf sein eigenes Volk schießen lässt; ein Despot, der sich nur mit Terror und Folter an der Macht hält.
Dem Autor Jürgen Todenhöfer ist es nun im Auftrag des Weltspiegels gelungen, in die Hochburgen des Widerstandes zu fahren — nach Homs und Hama. Er hat mit Oppositionellen und Assad-Anhängern gesprochen. Eine Reise durch ein zerrissenes Land.

http://www.youtube.com/watch?v=A4f2MKtAM8k

From → Syrien

Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: