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So arbeiten die Rohstoffgiganten aus der Schweiz: Ein Buch deckt die geheimgehaltenen Geschäfte in der Dritten Welt auf!Rohstoffhändler werden unermesslich reich, die Förderländer bleiben arm. Denn die Unternehmen versteuern ihre Milliardengewinne in Fiskalparadiesen, während die Staatskassen in den Abbau-Ländern leer ausgehen.

Februar 5, 2012


Kupfermine in Sambia vom schweizer Unternehmen Glencore: Großer Schafen für Bevölkerung und Umwelt!

Schwere Vorwürfe gegen Rohstoff-Riesen
Glencore füge im kupferreichen, aber armen Land Sambia Bevölkerung und Umwelt grossen Schaden zu, kritisiert die EvB. (Reuters)
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Von Simon Bradley, swissinfo.ch

Mit ihrem ungehemmten Wachstum und Milliardeneinnahmen würden Rohstoff-Handelsfirmen nicht nur arme Länder um Steuereinnahmen prellen, sondern auch den Ruf ihres Gastlandes Schweiz schädigen, warnen kritische Wirtschafts- und Finanzexperten.

Im soeben erschienen Buch „Rohstoff – Das gefährlichste Geschäft der Schweiz“ erhellen Wirtschaftsexperten und Globalisierungsspezialistinnen der Entwicklungsorganisation Erklärung von Bern (EvB) die Geschäftspraktiken der Rohstoff-Handelsunternehmen und ihren negativen Folgen für Menschen und Umwelt in den Förderländern.

„Bekannt ist über diese verschwiegene Branche, die hier in der Schweiz etwa gleich viel zum Bruttoinlandprodukt beiträgt wie der Maschinenbau, so gut wie gar nichts“, schreibt die EvB.

Dabei hat der Rohstoff-Sektor das Handelsvolumen zwischen 1998 und 2010 um nicht weniger als das Fünfzehnfache vergrössert. Jeder dritte Liter Erdöl, der auf den globalen Märkten verkauft wird, stammt von einem Player mit Sitz in der Schweiz. Bei Kaffee und Zucker beträgt die „Schweizer Rate“ die Hälfte, beim Getreide wiederum ein Drittel.

Hauptkritikpunkt: Rohstoffhändler werden unermesslich reich, die Förderländer bleiben arm. Denn die Unternehmen versteuern ihre Milliardengewinne in Fiskalparadiesen, während die Staatskassen in den Abbau-Ländern leer ausgehen. Im Fokus der Untersuchungen stehen insbesondere die Geschäfte um die Kupfermine im sambischen Mopani.

Die Europäische Investitionsbank (EIB) legte im Sommer die Zusammenarbeit mit dem Rohstoffkonzern Glencore wegen Vorbehalten gegen dessen Unternehmensführung auf Eis.

Glencore wies die Vorwürfe zurück. „Wir sind froh, dass die EIB sich die Vorgänge in Mopani jetzt genauer anschaut. Denn wir sind zuversichtlich, dass wir vollständig entlastet werden“, sagte ein Glencore-Sprecher im Sommer. Die Vorwürfe würden sich auf einen unvollständigen Entwurf einer Untersuchung stützen (Bericht der Buchprüfer Grant & Thornton, siehe Links).

Namen, die keiner kennt

Von den zwölf in der Schweiz basierten Unternehmen mit den höchsten Umsätzen stammen sieben aus der Rohstoffbranche. Darunter sind Glencore (Jahresumsatz 145 Mrd. Franken) und Trafigura (79 Mrd. Franken). Auch die Namen der anderen Riesen sind ausserhalb der Branche selber kaum jemandem geläufig.

„Die Schweizerische Nationalbank schätzt den Umsatz der gesamten Branche auf drei Prozent des Bruttosozialproduktes. Das entspricht demjenigen der Maschinen- und der Tourismusindustrie“, sagt EvB-Finanzspezialist Olivier Longchamp gegenüber swissinfo.ch.

Fehlende Steuereinnahmen

Dieses Wachstum habe aber zu riesigen Ungleichheiten und sozialen Kosten für die armen Staaten geführt, die reich an Bodenschätzen seien. Diese würden jährlich um Steuereinnahmen in der Höhe von 100 bis 250 Mrd. Franken geprellt, so die Autoren der Nichtregierungs-Organisation.

Eine der zwölf Länderstudien, die das Buch umfasst, behandelt Sambia, das für seine reichen Kupfervorkommen bekannt ist. Innert zwölf Jahren sanken dort die Steuereinnahmen und Abgaben auf ausgeführtem Kupfer von 176 Mio. Franken auf noch rund sechs Mio. Franken. In derselben Spanne aber stieg der Preis für eine Tonne Kupfer um einen Viertel.

Laut EvB sei das starke Wachstum nur wegen Steuererleichterungen der Kantone, starken Finanzzentren und lascher Behördenpolitik möglich gewesen.

Einerseits sei für die Unternehmen relativ einfach, im Verborgenen zu handeln, andererseits seien die Schweizer Gesetze relativ lasch, im Gegensatz zu den Bestimmungen in den anglo-sächsischen Ländern, so Longchamp.

Spekulantion zurück drängen

Emmanuel Fragnière, der am Institut für Höhere Verwaltung Genf (HRG) Diplomlehrgänge über Rohstoffhandel anbietet, begrüsst die Studie als „sachdienlich“, bezeichnet aber die Position der EvB als ziemlich extrem.
„Die Untersuchung ist sehr gut, aber wir sollten nicht vergessen, was dabei für unsere Wirtschaft auf dem Spiel steht“, sagte Fragnière zu swissinfo.ch. Der Sektor sei immer noch bemüht, den drastischen Einfluss der Hedgefonds und Banken in den Griff zu bekommen. Diese hätten die Branche chaotischer gemacht.

„Ich hoffe, dass der Sektor professioneller und transparenter wird. Will er in der Schweiz wachsen, muss er stärker reguliert werden“, so Fragnière.
Als dringendste Neuerung erachten Experten die Taxierung von Rohstoffhändlern als Finanzintermediäre. Damit würden sie unter die Gesetzgebung zur Bekämpfung der Geldwäscherei fallen.

Für mehr Transparenz würde die Einführung des freiwilligen Länder-Austauschs über Steuerdaten der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) sorgen.

Im letzten Jahr hatten dies mehrere Mitglieder des Schweizer Parlaments gefordert. Die Behörden jedoch wiesen das Ansinnen zurück mit dem Argument, die geltenden Bestimmungen seien ausreichend.
Dem gegenüber zogen die USA in Sachen mehr Transparenz die Schrauben für Unternehmen an, die mit Rohöl, Gas, Mineralien und Gesteinen handeln. Die Europäische Union (EU) will nachziehen.

Laissez-Faire-Politik

In einer der Studien bemängelt Mark Pieth, Professor für Strafrecht an der Universität Basel, die Laissez-Faire-Attitüde der Schweizer Behörden. Er habe den Eindruck, dass diese den Dingen während langer Zeit freien Lauf gelassen habe, so in den Bereichen Raubkunst, Waffenhandel, Verletzung von Handelsembargos und Steuerflucht. Dieselbe Nachlässigkeit könne auch gegenüber den Rohstoffen bestimmend sein, befürchtet Pieth, der auch die OECD-Arbeitsgruppe zur Bekämpfung von internationaler Korruption leitet.

Die Schweizer Regierung habe insbesondere nichts unternommen, um den Ruf der Schweiz als sicheren Piratenhafen ein für alle Mal aufzuheben. Rohstoffhandel an sich sei nichts schlechtes, erklärt Pieth, aber in der gegenwärtigen Form stelle er für den Ruf der Schweiz eine grosse Gefahr dar.

Trotz dieses kritischen Ansatzes hält Emmanuel Fragnière eine positive Wirkung des Buches für möglich. „Es wird den Effekt eines Stromschlags haben. Ich hoffe, dass die Regierung eine ausgewogene Langzeitstrategie ausarbeitet, um den Sektor derart weiter zu entwickeln, dass er nicht nur auf purem Opportunismus beruht.“

Simon Bradley, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Englischen: Renat Kuenzi)

Radiobeitrag: http://www.swissinfo.ch/ger/multimedia/audios/Echo_der_Zeit.html?cid=29707036&itemId=29707056

 

Herausgegeber: Erklärung von Bern. Mit zahlreichen, meist farbigen Abbildungen. Mit diesem Buch durchleuchtet die Organisation „Erklärung von Bern“ (EvB) erstmals die Rolle von Schweizer Unternehmen im boomenden Rohstoff-Business und die globale Bedeutung der Rohstoffdrehscheibe Schweiz. Das faktenreiche Referenzwerk berichtet über die Hintergründe und Opfer, erklärt die Funktionsweise des Rohstoffhandels und die Konflikte in den Herkunftsländern, zeigt Alternativen und stellt Forderungen. Diese Darstellung eines wirtschaftspolitischen Schlüsselthemas des 21. Jahrhunderts aus Schweizer Perspektive wird zu reden geben. Ausgerechnet die kleine, ressourcenarme Schweiz ist eine der weltgrößten Rohstoffdrehscheiben und Sitz von Handelsfirmen, die mehr Umsatz machen als Nestle, Novartis oder die UBS. Dabei sind Konzerne wie Glencore, Vitol oder Trafigura so intransparent wie umsatzstark: Aus den Büros der Rohstoffhändler in Zug und Genf dringt kaum etwas nach außen.
„Rohstoff – Das gefährlichste Geschäft der Schweiz“ zeichnet ein umfassendes und zugleich detailliertes Bild einer mächtigen Branche, die zu den größten Globalisierungsgewinnern gehört und deren Geschäfte immer wieder in gefährliche Grauzonen führen. Mit Recherchen und Reportagen gräbt die EvB nach den historischen Wurzeln des Handelszentrums Schweiz, analysiert skandalöse Business-Praktiken und politische Zusammenhänge, begibt sich in eine Kupfermine in Sambia und porträtiert die wichtigsten Schweizer Firmen und Figuren hinter den diskreten Deals. Das Buch zeigt auch, wie diese Deals finanziert und nicht versteuert werden, gibt Einblicke in die sozialen und ökologischen Folgen für die Förderländer und macht Vorschläge für mehr Transparenz und Gerechtigkeit in einem Milliardengeschäft, das niemanden kalt lässt.

http://www.perlentaucher.de/buch/37768.html

 

From → Rohstoffe, Schweiz

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