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Schleppende Ermittlungen gegen NSU: Erst ein Viertel der Beweisstücke aufgearbeitet – Zschäpe vermutlich die Brandstifterin – Jüdische Schauspieler und Polizeiermittler im Todesnotizbuch! Opfer kriegen eine Entschädigung – Bruder des ermordeten İsmail Yaşar, İbrahim Yaşar: „Das Geld ist ganz klar eine Beleidigung. Wir wollen nicht diese lächerliche Summe an Schweigegeld. Wir wollen Gerechtigkeit“

Februar 5, 2012

Gutachten bestätigt Zschäpe als Brandstifterin
05. Februar 2012 11:57
Magazin: Zschäpe zündete Wohnung an, um Spuren zu verwischen – Auch jüdischer Schauspieler auf „Todesliste“ der Neonazis

München – Ein kriminaltechnisches Gutachten hat in Deutschland die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe offenbar als Brandstifterin von Zwickau überführt. Chemiker des Landeskriminalamts (LKA) Sachsen hätten in Zschäpes Socken Rückstände nachgewiesen, die höchstwahrscheinlich von Benzin stammten, berichtete das Magazin „Focus“. Auch in Resten der ausgebrannten Wohnung, etwa in Teppichen, Sitzpolstern und im Holzfußboden, habe der Experte Spuren von Benzin gefunden.

Die Socken waren laut „Focus“ am 8. November sichergestellt worden, nachdem Zschäpe sich freiwillig bei der Polizei gemeldet hatte. Die 37-Jährige soll nach dem Tod ihrer Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt am 4. November die Wohnung des Trios angezündet haben, um Beweise zu vernichten. Laut Bundesanwaltschaft bildeten die drei Rechtsradikalen die Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU), die für mindestens zehn Morde verantwortlich sein soll.

Filmemacher und Schauspieler auf Todesliste

Ein vom Bundeskriminalamt (BKA) rekonstruiertes Adressbuch, das als „Feindesliste“ angelegt und das in der ausgebrannten Wohnung des Neonazitrios gefunden worden war, enthält dem Bericht zufolge die Namen von Gegnern der rechtsextremen NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands) und ranghohen Ermittlern von Polizei und Verfassungsschutz. Aufgeführt sind demnach auch die Namen des Berliner Filmemachers Caspar-Jan Hogerzeil sowie des jüdischen Musikers und Schauspielers Mark Aizikovitch. Hogerzeil war unter anderem durch seinen Anti-Nazi-Spot „Handicap“ bekanntgeworden.

Außerdem notierten die mutmaßlichen Terroristen dem Bericht zufolge in ihrem Buch auch den Namen des rheinland-pfälzischen Oberstaatsanwalts Lothar Liebig. Er sei als Leiter der Staatsanwaltschaft Frankenthal 2008 für die Ermittlungen zur Brandkatastrophe in Ludwigshafen zuständig gewesen, bei der neun türkischstämmige Frauen und Kinder starben. Bis heute sei die Ursache nicht geklärt, einen Anschlag hätten die Ermittler frühzeitig ausgeschlossen. Es gebe weiterhin „keine Hinweise“ darauf, dass die Zwickauer Zelle hinter dem Brand von Ludwigshafen stecken könne, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft zu „Focus“.

Das Zwickauer Neonazi-Trio Mundlos, Böhnhardt, Zschäpe soll für die Morde an neun Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft sowie an einer Polizistin verantwortlich sein. Auch zwei Bombenattentate in Köln 2001 und 2007 und mehrere Banküberfälle sollen auf ihr Konto gehen. Böhnhardt und Mundlos hatten sich Anfang November selbst getötet. Die einzige Überlebende des Trios, die 37-jährige Zschäpe, sitzt in Untersuchungshaft und schweigt. Fünf weitere mutmaßliche Unterstützer des Trios sitzen in Untersuchungshaft. (APA)

http://derstandard.at/1328162560735/Gutachten-bestaetigt-Zschaepe-als-Brandstifterin

Schleppende Ermittlungen gegen NSU
04. Februar 2012 22:02
Generalbundesanwalt: Erst ein Viertel der mehr als 5.000 Beweisstücke aufgearbeitet

Berlin – Die Ermittlungen gegen die Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) sind nach den Worten des deutschen Generalbundesanwalts Harald Range eine große Herausforderung für seine Behörde. Derzeit müssten mehr als 5.000 Beweisstücke aufgearbeitet werden, sagte Range dem Südwestrundfunk. „Hinzu kommen eine Unmenge von Daten und Handys, so dass wir trotz der intensiven Arbeit der vergangenen Monate erst gut ein Viertel der Beweisstücke ausgewertet haben“, sagte Range im SWR-Interview der Woche. Dies alles brauche Zeit, „da geht Sorgfalt vor Schnelligkeit“.

Angesprochen auf die Arbeit des NSU-Untersuchungsausschusses sagte Range, der Ausschuss und seine Behörde hätten „gemeinsam die Aufgabe, den Sachverhalt aufzuklären“. Dieser werde anschließend von den Untersuchungsausschüssen politisch und organisatorisch bewertet, seine Behörde nehme währenddessen die strafrechtliche Bewertung vor. Letztere habe aber Priorität, solange sich Beschuldigte in Haft befänden. „Trotzdem werde ich mit den U-Ausschüssen vertrauensvoll zusammenarbeiten und ihnen alles geben, was ich im Augenblick entbehren kann“, sagte Range dem SWR.

Die jahrelang unentdeckt gebliebene Terrorzelle soll zwischen 2000 und 2007 neun Migranten und eine Polizistin in Deutschland ermordet haben. Außerdem werden der Gruppe zwei Sprengstoffanschläge in Köln 2001 und 2004 mit insgesamt 23 Verletzten sowie eine Serie von Banküberfällen zur Last gelegt. (APA)

http://derstandard.at/1328162551640/Schleppende-Ermittlungen-gegen-NSU

Familie von Neonazi-Opfern möchte Gerechtigkeit, kein „Schweigegeld“
Deutsch Türkische Nachrichten | 04.02.12, 10:45 | 24 Kommentare

10.000 Euro sieht die Bundesregierung jeweils für die Familien der Opfer der NSU-Morde vor. Für die Angehörigen der Opfer ist das ein Schlag ins Gesicht. Sie empfinden das Geldangebot als blanken Hohn. Sie wollen Aufklärung.

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Themen: Ismail Yasar, NSU, Verfassungsschutz, Zwickauer Zelle

Die Familie eine Besitzers eines Döner-Ladens, der von Neonazi-Mördern umgebracht worden war, sagte, dass die 10.000 Euro Schmerzensgeld, die von der deutschen Regierung an die Familien der Opfer bezahlt werden sollen, eine Beleidigung seien. Sie sagte, sie wolle kein Geld, sondern Gerechtigkeit. (Bundestagspräsidente Lammert hatte sich bei den Opfern entschuldigt, mehr hier)

„Das Geld ist ganz klar eine Beleidigung. Wir wollen nicht diese lächerliche Summe an Schweigegeld. Wir wollen Gerechtigkeit“, zitiert die Tageszeitung Zaman den Bruder des ermordeten İsmail Yaşar, İbrahim Yaşar. Sein Bruder war 2005 in seinem Döner-Geschäft umgebracht worden. İbrahim Yaşar, der in südostanatolischen Stadt Şanlıurfa lebt, sagte, die Verbindungen der Neonazi-Szene zum Verfassungsschutz hätten ihren Schmerz noch verstärkt. (Die Behörden kannten und beobachteten die Zwickauer-Zelle bereits seit 1998, mehr hier)

Anstatt die Sache aufzuklären, würde die deutsche Regierung absurde Statements abgeben mit dem Versuch, die Familien zu trösten. Der Neffe des Opfers, Murat Yaşar hingegen sagte, die deutsche Behörden hätten Jahre lang die Familie in die Iree geführt, bevor die Verbindung zur Neonazi-Szene aufgedeckt wurde. Jahrelang hatte die Familie in dem Glauben gelebt, İsmail Yaşar sei von der Drogenmafia umgebracht worden. „Jahrelang hat die deutsche Regierung uns mit unrealistischen Mördergeschichten zum Narren gehalten und dieses lächerliche Schmerzensgeld hat uns umso mehr verletzt”.

In den Jahren zwischen 2000 und 2006 waren in Deutschland acht Türkei-Stämmige und ein griechisch-Stämmiger von der Zwickauer NSU-Zelle ermordet worden. Erst im vergangenen Jahr konnten die Fälle aufgedeckt worden. Besonders die Verbindungen der Neonazi-Szene zu Mitgliedern des Verfassungsschutzes hatten für viele Diskussionen gesorgt.

http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2012/02/378088/familie-von-neonazi-opfern-moechte-gerechtigkeit-kein-„schweigegeld“/

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