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Demonstranten in Kairo: «Dies war kein Sportunglück, dies war ein Militärmassaker!» Die Anhänger des Kairoer Fussballclubs Ahly machten den Chef des Militärrats, Hussein Tantawi, für den Tod von 71 Fussballfans am Vorabend in Port Said verantwortlich. Die Polizei setzte Tränengas ein. Fast 400 Menschen wurden verletzt.

Februar 2, 2012

Polizei in Ägypten setzt Tränengas gegen Demonstranten ein
Tausende protestieren gegen die Militärführung – fast 400 Verletzte

Nach den Krawallen zwischen Fussballfans in Ägypten ist die Führung des Landes unter grossem Druck. Tausende protestieren in Kairo gegen den Militärrat.

(sda/afp/dapd) Nach den tödlichen Fussball-Krawallen in Ägypten sind Tausende von Menschen in der Hauptstadt Kairo gegen den regierenden Militärrat auf die Strasse gegangen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Fast 400 Menschen wurden verletzt.

Die Anhänger des Kairoer Fussballclubs Ahly machten den Chef des Militärrats, Hussein Tantawi, für den Tod von 71 Fussballfans am Vorabend in Port Said verantwortlich. «Dies war kein Sportunglück, dies war ein Militärmassaker!», riefen die Demonstranten in Kairo, als sie vom Sitz des Fussballclubs zum zentralen Tahrir-Platz marschierten.
Tränengas gegen Demonstranten

Als die Demonstranten weiter zum Innenministerium vordringen wollten, setzte die Polizei Tränengas gegen die Demonstranten ein. Einige Demonstranten wiederum zogen Barrikaden aus Stacheldraht von der Strasse und schleuderten Steine auf die Sicherheitskräfte.

Die staatliche Nachrichtenagentur meldete unter Berufung auf das Gesundheitsministerium, dass 388 Demonstranten verletzt worden seien.

Bei Ausschreitungen nach einem Spiel zwischen Ahly und Masry waren am Mittwochabend in Port Said Anhänger des örtlichen Clubs Masry auf die Fans der gegnerischen Mannschaft losgegangen. Mindestens 71 Menschen kamen bei den Krawallen in der Hafenstadt am Suezkanal ums Leben.
Vorwürfe an die Sicherheitskräfte

Nach den Ausschreitungen waren Vorwürfe laut geworden, die Sicherheitskräfte hätten nur unzureichend oder gar nicht auf die Gewalt in dem Stadion reagiert. Im Internet zirkulierten auch Gerüchte, die Krawalle seien von Anhängern des gestürzten Machthabers Husni Mubarak initiiert worden, um sich an den Ahly-Fans zu rächen.

Diese hatten bei den Protesten gegen Mubarak vor einem Jahr eine aktive Rolle gespielt. Auch ein Abgeordneter der Partei der Muslimbrüder, welche die Parlamentswahlen gewonnen hatte, machte Mubarak-Anhänger für die Gewalt verantwortlich.

 

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/aegypten_demonstrationen_1.14773666.html

Fussball-Ultras in Kairo dürsten nach Rache
Stadionkrawall treibt Ägyptens Krise auf neuen Höhepunkt zu
Kairo: Eine aufgebrachte Menge wartet auf die Rückkehr der Fussballfans aus Port Said. (Bild: Keystone/ AP)
Ägyptens Fussballfans gehörten zur Speerspitze des Aufstands gegen Mubarak. Sie geben der Polizei und dem Militär die Schuld für den blutigen Krawall in Port Said. Es drohen neue, heftige Strassenschlachten in Kairo.

Jürg Bischoff, Kairo

In der Nacht vom Mittwoch auf den Donnerstag warteten Hunderte von Familienangehörigen und Fussballfans im Bahnhof von Kairo auf die Rückkehr jener, die zum Match zwischen Ahly und Masry nach Port Said gefahren waren. «Polizisten sind Schurken!» und «Nieder mit der Militärherrschaft!» rief die Menge. Für jene, die den Tod der Fans von Port Said beweinen, stehen die Verantwortlichen des Desasters vom Mittwochabend fest: Die Polizei und der in Ägypten seit dem Sturz Mubaraks herrschende Militärrat.
Bittere Fehde zwischen Ultras und Polizei

Die Anhänger der zwei populärsten Fussballmannschaften des Landes, Ahly und Zamalek, befinden sich in einer alten, bitteren Fehde mit der Polizei. Sie werfen ihr vor, die Ordnung in und um die Stadien mit rücksichtsloser Brutalität durchzusetzen und Fussballfans auch ohne äusseren Anlass zu schikanieren, zu schlagen und festzunehmen. Ihr Hass auf die Polizei hat die Ultras der beiden Klubs zur Speerspitze des Aufstands gegen Mubarak und des Protests gegen die Militärherrschaft gemacht, die sich freudig und tollkühn in jede Schlacht mit den Ordnungshütern stürzten.

Die Militärjunta, die nun ein Jahr an der Macht ist, hat sich als unfähig erwiesen, diesen explosiven Konflikt zu entschärfen. Das Innenministerium wurde nicht reformiert, die Sicherheitskräfte nicht geschult, schiessende, prügelnde und folternde Polizisten nicht bestraft. Und die sogenannten Ordnungskräfte machten der Frustration über ihre Demütigung in der Revolution Luft, indem sie mit umso grösserer Heimtücke und Aggressivität gegen die Ultras vorgingen. Im Unterschied zu den Facebook-Aktivisten aus dem Bürgertum konnten sie auf die Kids aus den armen Vierteln eindreschen, ohne dass gleich ein Aufschrei der Empörung durch die nationalen und internationalen Medien ging.

Absichtlich geschürtes Chaos?

Kein Wunder, dass viele vermuten, die Polizei habe den Zusammenbruch der Ordnung im Stadion von Port Said bewusst zugelassen oder aktiv gefördert und damit ein Massaker in Kauf genommen. Einige klagen die herrschenden Generäle an, sie wollten einen Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung provozieren, um den Übergang zur Demokratie abzubrechen und ihr Regime aufrechtzuerhalten. Jedenfalls haben die Toten von Port Said das Land in eine neue, schwere politische Krise gestossen.

Das eben gewählte Parlament wird noch am Donnerstag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammentreten. Die Börse ist in der ersten Stunde nach der Eröffnung am Donnerstag um 4 Prozent gefallen. Die säkularen Parteien verlangen den Rücktritt der von der Junta eingesetzten Regierung Ganzuri. Die revolutionären Gruppen rufen zum ersten Jahrestag der «Kamelschlacht», an der Schlägertrupps des Regimes vor einem Jahr die Anti-Mubarak-Demonstranten auf dem Tahrir-Platz angriffen, zu einer Demonstration auf. Sie droht zu einem Massenaufmarsch zu geraten, an dem die Ultras Vergeltung für ihre «Märtyrer» suchen.

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/fussball-ultras_in_kairo_duersten_nach_rache_1.14761976.html

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