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Friedensnobelpreisträgerin Tawakkol Karman: Für eine neue Verfassung, die demokratische Kontrolle der Armee, demokratische Wahlen und die Beendigung der Korruption: „Die USA sind dafür verantwortlich, dass arabische Diktatoren wie Saleh ihre Völker überhaupt so lange unterdrücken konnten. Sie haben sie mit Geld und Waffen versorgt.“ Liebe EuropäerInnen: Sie ist Muslimin und trägt Kopftuch: Aber wie viele andere Frauen treten so mutig für Demokratie und gegen Diktatoren auf! Kann man also von von Kopftuch und Relgion gar nicht auf eine systematische Unterdrückung der Frau schließen? Diese Frau und die vielen Frauen auf dem Tahirplatz zeigen es, sie haben die Soldidarität aller Frauen in ihrem Kampf für Demokratie und auch gegen die Unterstützung des Westens für die Diktatoren verdient!

Januar 27, 2012

„Saleh ist weg, aber das korrupte System bleibt“
Interview | 27. Jänner 2012 18:43

Foto: AP/Mohammed

Tawakkol Karman: „Die USA haben arabischen Diktatoren Geld und Waffen gegeben.“

Friedensnobelpreisträgerin Tawakkol Karman fordert Entmachtung von Salehs Söhnen

Nach der Ausreise von Präsident Saleh aus dem Jemen müssten dessen Söhne, die die Armee kontrollieren, entmachtet werden, sagt Friedensnobelpreisträgerin Tawakkol Karman im Gespräch mit Martin Lejeune.

STANDARD: Als Präsident Ali Abdullah Saleh am vergangenen Sonntag in das Sultanat Oman ausreiste (inzwischen ist er in die USA weitergereist, Red.), wurde auf dem Platz des Wandels in Sanaa, auf dem auch Sie in einem Zelt demonstrieren, gefeiert. Ist die Revolution im Jemen nun geglückt?

Karman: Nein, Präsident Saleh ist nur einer von vielen, die dieses korrupte System aufrechterhalten. Saleh ist weg, aber das korrupte System bleibt.

STANDARD: Offiziell ist Saleh, der sein Amt am 21. Februar niederlegen will, nur zur ärztlichen Behandlung ins Ausland gereist. Glauben Sie, dass er eventuell wiederkommen könnte?

Karman: Ich nehme an, dass er nun im Ausland bleibt.

STANDARD: Wird es ohne Saleh, der seit 33 Jahren Präsident ist, für die Opposition einfacher, die Revolution fortzuführen?

Karman: Mit Saleh im Ausland ist es sicherlich grundsätzlich einfacher, eine friedliche Lösung für den Jemen zu finden. Aber Salehs Söhne und die Söhne von Salehs Bruder, die gemeinsam mindestens 80 Prozent der Streitkräfte kontrollieren, sind noch im Land. Auch sie müssen entmachtet und die Streitkräfte unter demokratischer Führung vereint werden. Danach muss die Korruption der zivilen Verwaltung bekämpft werden. Und wir brauchen demokratische Wahlen.

STANDARD: Aber für den 21. Februar ist doch eine Präsidentschaftswahl angekündigt.

Karman: Diese Wahl ist eine Farce, weil es nur einen einzigen Kandidaten gibt, den Vizepräsidenten Abdull-Rabho Mansur Hadi. Wir rufen dazu auf, diese Wahl zu boykottieren.

STANDARD: Weshalb wollen Sie Hadi nicht zumindest eine Chance geben?

Karman: Hadi kann das Volk nicht in einen neuen Jemen führen, weil er Teil des korrupten Systems ist. Er hat 1994 im Bürgerkrieg für Saleh mit brutaler Gewalt das abtrünnige Aden wieder unter die Kontrolle des Nordens gebracht. Er ist es, den die USA heute im Jemen unterstützen, nachdem sie Saleh haben fallenlassen. Daher ist er für uns inakzeptabel.

STANDARD: US-Präsident Barack Obama hat aber doch den Akteuren des Arabischen Frühlings seine Unterstützung bekundet.

Karman: Die USA sind dafür verantwortlich, dass arabische Diktatoren wie Saleh ihre Völker überhaupt so lange unterdrücken konnten. Sie haben sie mit Geld und Waffen versorgt. Im Jemen haben die USA Saleh jahrzehntelang mit den modernsten Waffen wie ferngesteuerten Raketensystemen ausgestattet, angeblich um Al-Kaida zu bekämpfen. Doch Saleh und seine Söhne setzten diese Waffensysteme seit dem Ausbruch der Revolution im Jemen gegen die eigene Bevölkerung ein.

STANDARD: Wie viele Menschen stehen hinter Ihrer Bewegung der Jugend des Wandels?

Karman: Wir führen keine Mitgliederlisten. Aber Sie brauchen sich nur hier auf dem Platz des Wandels umzuschauen, dann sehen Sie jeden Tag, wie viele wir sind.

STANDARD: Was werden Sie in nächster Zeit tun?

Karman: Wir arbeiten an einer neuen Verfassung für den Jemen. Und wir sind dabei, unsere Bewegung zu festigen und zu vergrößern, damit sie als Machtbasis dienen kann für den Führer des neuen Jemen. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.1.2012)

Tawakkol Karman ist gewählte Präsidentin der jemenitischen Journalistinnenvereinigung und schreibt seit Jahren gegen das Regime von Präsident Ali Abdullah Saleh an. Im Dezember 2011 erhielt sie in Oslo gemeinsam mit den Liberianerinnen Ellen Johnson Sirleaf und Leyman Gboweh den Friedensnobelpreis für ihre Verdienste um die (anhaltende) friedliche Revolution im Jemen, die sie koordiniert.

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