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Film «Bottled Life – Nestlés Geschäfte mit dem Wasser». «Es gibt einen grossen Unterschied zwischen dem schönen Image, das sich der Multi gibt, und der Realität. Nestlés soziales Engagement erscheint uns nur als Marketinginstrument und keine gelebte Firmenphilosophie! Der Konzern legte den Filmemachern viele Stein in den Weg!

Januar 25, 2012

Das Geschäft mit Wasser

«Was hat Nestlé zu verstecken?»

Von Sonja Wenger

Ein neuer Schweizer Dokumentarfilm setzt sich mit der Frage auseinander, wie Nestlé mit Wasser und Kritik umgeht.

Trotz massiver Behinderungsversuche vonseiten des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé kommt diese Woche der Dokumentarfilm «Bottled Life – Nestlés Geschäfte mit dem Wasser» ins Kino (siehe WOZ Nr. 3/12). Bereits im Vorfeld hat der Film für Schlagzeilen gesorgt. Die Fragen, wem das Wasser gehört und wie gerade der Nestlé-Konzern als weltweiter Marktführer im Geschäft mit Flaschenwasser damit umgeht, scheint auf grosses Interesse zu stossen.

Image und Realität

Anlässlich der ausverkauften und mit langem Applaus bedachten Vorpremiere des Films letzte Woche an den Solothurner Filmtagen haben die Schweizer Journalisten und Filmemacher Urs Schnell und Res Gehriger mit der WOZ gesprochen. Schnell und Gehriger sagten, sie hätten mit «Bottled Life» keineswegs «Nestlé-Bashing» betreiben wollen. Im Gegenteil: «Wir sind alle mit Nestlé aufgewachsen», sagt Schnell. Und der Konzern habe viele gute Produkte. «Aber es gibt einen grossen Unterschied zwischen dem schönen Image, das sich der Multi gibt, und der Realität, die wir bei unseren Recherchen angetroffen haben.»

Nestlé-Konzernchef Peter Brabeck spricht gerne von «unternehmerischer Gesellschaftsverantwortung» und «nachhaltiger Entwicklung». Auf seiner Website behauptet der Konzern, in allen Ländern stets einen Mehrwert für die Menschen zu schaffen. «Gemeinsame Wertschöpfung» heisst das in der Sprache des Marketings. Doch leider sei das in vielen Fällen eben nur Marketing, sagen die Macher, die in ihrem Film die Frage stellen, wie Nestlé seine Aussagen in die Praxis umsetzt. «Beim Recherchieren entstand bei mir der Eindruck, dass Nestlés soziales Engagement ein Marketing­instrument ist und keine gelebte Firmenphilosophie», sagt Gehriger.

Schnell und Gehriger wurden bei den Recherchen und Dreharbeiten viele Steine in den Weg gelegt. Bereits 2007 hatte der damalige Nestlé-Pressechef François-Xavier Perroud gesagt, ihnen würden weltweit sämtliche Türen der Firma verschlossen bleiben. Laut Perroud sei das Thema «Wasser» derart sensibel, dass Nestlé dabei nur verlieren könne. Diese Offenheit sei zwar beeindruckend gewesen, dennoch habe Nestlés Verhinderungstaktik mühsame Folgen gehabt. «Beispielsweise wurde uns 2009, vermutlich auf Druck von Nestlé, die bereits erteilte Akkreditierung für das von verschiedenen Fachhochschulen organisierte jährliche Menschenrechtsforum in Luzern entzogen», sagt Schnell. «So etwas ist skandalös. Und ich frage mich: Was hat Nestlé zu verstecken?»

Leitungswasser nur fürs WC

Im Geschäft mit Flaschenwasser in Entwicklungsländern verzeichnet Nestlé heute zweistellige Zuwachsraten. Wichtigster Faktor ist dabei «Pure Life», das von Nestlé in vielen Ländern mit aggressiven Werbemethoden eingeführt wurde. Ein Fokus des Films liegt deshalb auf den Folgen der Einführung von Pure Life in Pakistan und Nigeria, ein anderer auf dem US-Geschäft mit der Marke Poland Spring.

Ein besonderer Dreh dabei sei, dass Nestlé in den USA 2009 Pure Life speziell für die hispanische Bevölkerung auf den Markt gebracht habe, «weil sich viele von ihnen Poland Spring nicht leisten können», sagt Schnell. Das Absurde daran: Nestlé kauft für Pure Life ganz normales Leitungswasser und filtert es in seinen Fabriken – was eigentlich Aufgabe der kommunalen Trinkwasserversorgung wäre. «Als Folge davon erhält die Trinkwasserversorgung kaum noch öffentliche Gelder.» Da die Leute Leitungswasser oft nur noch zum Kochen, Waschen oder für die WC-Spülung benutzten, sähen sie den Bedarf nicht, die Leitungen zu sanieren, um die Wasserqualität zu gewährleisten. Dies führe zu einer schleichenden Erosion des Bewusstseins, wie wichtig der Service public sei. «Aber genau hier wird es in Zukunft gigantische Investitionen brauchen.»

Fast zeitgleich mit dem Start des Films fand am Bezirksgericht Lausanne eine weitere Runde des Zivilverfahrens im Fall «Nestlégate» statt. Dabei stehen Nestlé und die Sicherheitsfirma Securitas vor Gericht, weil sie ab 2003 die globalisierungskritische Bewegung Attac bespitzeln liessen. Der Skandal wurde 2008 aufgedeckt.

Filmtrailer:

http://www.youtube.com/watch?v=rG6XHujJYcw

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