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Nike-Zulieferer nach Gewerkschafts-Aktivitäten: Indonesische Arbeiter erhalten Schadensersatz für unbezahlte Überstunden- „Die Entscheidung hat das Potenizial, die indonesische Arbeiterbewegung aufzurütteln, es geht gerade erst los.“ Markenhersteller von Sportartikeln bezahlen besonders schlechte!

Januar 24, 2012

Nike-Zulieferer zahlt Arbeiter aus
Eine Million Dollar für Überstunden

12.01.2012, 17:34

Von Hannah Beitzer

Ein kleiner Sieg für die indonesischen Textilarbeiter: Ein Zulieferer von Nike muss 4500 seiner Angestellten Schadenersatz für unbezahlte Überstunden zahlen. Doch das ist nur der Anfang, sagen die Gewerkschaften. Sie wollen nun auch Hersteller wie Adidas und Puma angreifen.

Im Sport ist Fairness das oberste Prinzip – nicht jedoch bei der Herstellung von Sportbekleidung: Nichtregierungsorganisationen werfen Unternehmen wie Adidas, Puma und Nike immer wieder vor, dass die Zustände in vielen Zulieferbetrieben der Dritten Weltalles andere als fair sind.

A new color of the Nike Zoom Kobe VII shoes are seen worn by Los Angeles Lakers' Kobe Bryant as he plays against the Chicago Bulls during the second half of an NBA basketball game in Los AngelesBild vergrößernIm Sport ist Fairness wichtig – in den asiatischen Zulieferbetrieben von Nike nimmt man es hingegen mit der Fairness oft nicht so genau. (© REUTERS)

Nun können Arbeitsrechtler in Indonesien einen Erfolg vorweisen: Der Nike-Zulieferer PT Nikomas zahlt indonesischen Arbeitern einer Schuhfabrik in der Provinz Banten insgesamt eine Million US-Dollar für unbezahlte Überstunden. Der Konzern entschädigt damit etwa 4500 Arbeiter für zwei Jahre, in denen sie nach Angaben der Gewerkschaft regelmäßig Überstunden geleistet haben, ohne zusätzlich entlohnt worden zu sein.

Viele der Arbeiter geben zwar an, weit länger nicht für Mehrarbeit bezahlt worden zu sein, sagen Menschenrechtler – doch das indonesische Recht sieht eine Entschädigung nur für die vergangenen zwei Jahre vor.

„Die Entscheidung hat das Potenizial, die indonesische Arbeiterbewegung aufzurütteln“, sagt dennoch ein Sprecher der Gewerkschaft Serikat Pekerja National, „es geht gerade erst los.“ Man werde sich für jeden einzelnen Arbeiter einsetzen, der unbezahlte Überstunden leisten muss. Dies sei leider nicht nur bei Nike an der Tagesordnung, auch Firmen wie Adidas und Puma habe man im Visier. Die nun in einem außergerichtlichen Vergleich erreichte Nachzahlung könne ein Präzedenzfall werden – und andere Unternehmen zu ähnlichen Schritten zwingen.

Paradoxerweise seien es gerade die Angestellten von Markenherstellern, die besonders zu unentlohnter Mehrarbeit genötigt würden – „Weil sie bestimmte Zielvorgaben erreichen müssen“. Die Arbeiter von Nike sollen ihre Entschädigungen im Februar erhalten, die Gewerkschaft hat eine telefonische Beschwerdestelle eingerichtet, wo sich weitere Betroffene melden können.

Unbezahlte Überstunden sind nicht einmal der schlimmste Vorwurf, der Nike gemacht wird. So fanden Journalisten 2011 heraus, dass Mitarbeiter der Tochterfirma Converse in Indonesien von Vorgesetzten ins Gesicht geschlagen und mit Schuhen beworfen wurden. Die überwiegend weiblichen Angestellten verdienten Medienberichten zufolge umgerechnet  nur 36 Euro-Cent in der Stunde.

Die Sporttextilbranche in Indonesien steht schon lange in der Kritik. So zum Beispiel im Vorfeld zu den Olympischen Spielen 2008: Gewerkschaften und Menschenrechtler kritisierten, dass die asiatischen Zulieferbetriebe Angestellte davon abhielten, Gewerkschaften zu gründen und Arbeiter feuerten, die für höhere Löhne gestreikt hätten. Es war der Beginn einer langen Auseinandersetzung. Zwei Jahre lang setzte sich die Kampagne Playfair 2008 für eine bessere Bezahlung in den Textilfabriken der Dritten Welt und die Einhaltung von arbeitsrechtlichen Bestimmungen ein.

Im vergangenen Jahr haben schließlich die großen Textilproduzenten Indonesiens, darunter Nike, Adidas und Puma, eine Erklärung unterzeichnet, in der sie die freie Gründung von Gewerkschaften und Tarifverhandlungen garantieren. Die Schadenersatzzahlungen bei Nike sind nun ein Zeichen, dass auf die Lippenbekenntnisse tatsächlich Taten folgen.

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