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Trotz Schändung toter Kämpfer – Taliban weiter zu Gesprächen mit der internationalen Gemeinschaft bereit! Das Video werde dazu beitragen, dass die Invasionstruppen bald das Land verlassen müssen! Keine Anerkennung der „Handlangerregierung“ ausländischer Mächte! Taliban kündigen Fortsetzung des Krieges an, aber auch stärkere politische Bemühungen um eine Lösung!

Januar 13, 2012

US-Soldaten aus Skandalvideo identifiziert

13. Jänner 2012 11:00

Foto: REUTERS/YouTube

Screenshot des Videos, dessen Herkunft nicht geklärt ist.

Sollen auf getötete Afghanen uriniert haben – Taliban wollen weiterhin Büro in Katar eröffnen – Gespräche über politische Lösung möglich

Kabul/Washington – Nach der mutmaßlichen Schändung getöteter Taliban-Kämpfer durch US-Soldaten sind nach Angaben des US-Senders CNN zwei der vier Marine-Infanteristen identifiziert worden. Das habe ein Sprecher der Marine-Infanterie erklärt, berichtete CNN in der Nacht auf Freitag. Die Namen der beiden wurden nicht genannt, da es sich um laufende Ermittlungen handle. Dem Sender zufolge soll es sich um Soldaten vom Stützpunkt Camp Lejeune in North Carolina handeln, die zwischen Februar und Oktober 2011 vorwiegend in der afghanischen Provinz Helmand stationiert gewesen seien.

Auf einem im Internet kursierenden Video, dessen Echtheit zunächst nicht offiziell bestätigt wurde, urinieren angeblich US-Soldaten auf getötete Aufständische. Der afghanische Präsident Hamid Karzai forderte die USA auf, die Täter so schwer wie möglich zu bestrafen. „Diese Tat amerikanischer Soldaten ist zutiefst unmenschlich“, hieß es in einer Mitteilung Karzais. Erst im vergangenen März hatten amerikanische Soldaten in Afghanistan mit Leichen ihrer Opfer für Fotos posiert.

Panetta: Beteiligte „im vollen Ausmaß“ zur Verantwortung ziehen

US-Verteidigungsminister Leon Panetta verurteilte die im Film gezeigte Leichenschändung auf das Schärfste. „Dieses Verhalten ist für Angehörige des US-Militärs vollkommen unangemessen und spiegelt nicht die Standards und Werte, für die unsere Streitkräfte eintreten“, sagte Panetta laut einem Bericht der „New York Times“. Die Beteiligten würden dafür „im vollen Ausmaß“ zur Verantwortung gezogen. Panetta wies eine umfassende Untersuchung des Vorfalls an.

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums bezeichnete das Video als „abscheulich“. „Es hat mir den Magen umgedreht“, wurde John Kirby vom Nachrichtensender CNN und anderen US-Medien zitiert. „Egal, wer das in dem Video ist oder wie die Umstände waren – dieses Verhalten ist ungeheuerlich und ekelhaft.“

Auch die NATO-geführte Afghanistan-Truppe ISAF verurteilte die mutmaßliche Schändung getöteter Taliban-Kämpfer. „Diese respektlose Tat ist unerklärlich und nicht in Übereinstimmung mit den hohen moralischen Maßstäben, die wir von Koalitionstruppen erwarten“, wurde am Donnerstag mitgeteilt. Die in dem Video gezeigten Taten „scheinen von einer kleinen Gruppe amerikanischer Personen ausgeführt worden zu sein, die anscheinend nicht mehr in Afghanistan dienen“.

Das nur 39 Sekunden lange Video ist seit Mittwoch im Umlauf. Auf ihm sind vier mutmaßliche Marine-Infanteristen in Kampfanzügen zu sehen, die über den Körpern von drei Männern lachend ihre Notdurft verrichten. Die geschändeten Leichen tragen für Afghanistan landestypische Kleidung. Eine Videoinsert beschreibt die Urinierenden als US-Scharfschützen und die Toten als Taliban.

Taliban empört

Die Taliban reagierten empört. „Das ist eine unmenschliche, unmoralische und brutale Tat der Invasoren“, sagte Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid der Nachrichtenagentur dpa in Kabul. Der Vorfall werde dazu beitragen, „dass die Amerikaner und ihre Alliierten ein kurzes Leben in Afghanistan haben“. Seit zehn Jahren würden die ausländischen Truppen solche Straftaten im Land verüben.

Hingegen erklärte ein ungenannter Sprecher der Taliban gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, es handle sich bei dem Video nicht um einen „politischen Vorgang“. Die Aufnahmen würden daher auch nicht die Gespräche mit den USA oder den geplanten Gefangenenaustausch beeinflussen.

Gespräche über politische Lösung des Konflikts

Taliban-Sprecher Mujahid sagte der dpa, das Video werde keine Auswirkungen auf die Pläne der Taliban haben, ein Büro im Golfemirat Katar zu eröffnen. Er betonte aber erneut, die Eröffnung des Büros bedeute nicht, dass es Friedensverhandlungen gebe. Die Taliban zeigten sich bereit für Gespräche mit der internationalen Gemeinschaft über eine politische Lösung des Konflikts. Zugleich betonten sie aber, sie würden ihren „Heiligen Krieg“ gegen die ausländischen Truppen fortsetzen.

In einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung der Aufständischen hieß es, die Taliban hätten zwar ihre „politischen Bemühungen“ verstärkt. Das bedeute aber weder eine Abkehr vom „Jihad“ noch eine Anerkennung der „Handlangerregierung“ in Kabul. Die Taliban hatten in der vergangenen Woche mitgeteilt, sie seien mit Katar übereingekommen, dort ein Büro zu eröffnen. Ziel sei ein „Dialog mit der internationalen Gemeinschaft“. Der afghanische Präsident Karzai unterstützt die Eröffnung eines solchen Büros. (APA/Reuters)

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