Skip to content

Hoffnung in Nigeria: Moslems und Christen und Nigerianer verschiedener Ethnien im Streik vereint: Die Strategie der nigerianischen Elite und ihrer Hintermänner in der internationalen Öl- und Finanzwirtschaft: Teile und Herrsche, scheint nicht aufzugehen! „Was wir in diesem Land durch Korruption verlieren ist etwa viermal so hoch wie das, was wir durch den Subventionsstopp gewinnen! Die müssen diese Korruption ernsthaft angehen. Wenn nicht, dann machen wir dieses Land unregierbar!“

Januar 10, 2012

Generalstreik legt Land lahm
Chaos im Öl-Reich Nigeria

Ein Streik gegen die sprunghaft angestiegenen Benzinpreise hat weite Teile Nigerias lahmgelegt. Allein in Lagos demonstrierten mehr als 10.000 Menschen. Sie forderten von der Regierung, die zu Jahresbeginn abgeschafften Subventionen für Benzin wieder einzuführen. Bei den Protesten gab es mindestens drei Tote.

Von Marc Dugge, ARD-Hörfunkstudio Rabat

Ein Land steht still: Aus Protest gegen stark erhöhte Benzinpreise sind am Montag Tausende Nigerianer auf die Straße gegangen. Bei Kundgebungen gerieten Sicherheitskräfte und Demonstranten aneinander. Dabei sollen mindestens drei Menschen getötet worden sein. Der Protest richtet sich aber nicht nur gegen hohe Benzinpreise, sondern gegen eine Regierung, die als unfähig empfunden wird.

Auf den Hauptstraßen von Lagos herrscht normalerweise Dauerstau. Doch am Montag war kaum ein Auto auf den Straßen zu sehen – dafür aber Tausende von Demonstranten. Nigeria ist im Generalstreik. Geschäfte, Behörden, Schulen und Tankstellen blieben vielerorts geschlossen. Adobi aus Abuja ist heute auch nicht zur Arbeit gegangen. Und sie ist nicht allein: „Eben habe ich versucht, eine Flasche Wasser auf dem Markt zu kaufen. Die Händler sitzen da – aber sie verkaufen nichts! Dieser Widerstand beeindruckt mich!“
Audio: Chaos im Öl-Reich: Generalstreik legt Nigeria lahm
00:00:00 00:00:00
00:00:00 00:00:00
Marc Dugge, ARD-Hörfunkstudio Rabat
10.01.2012 03:23 | 3’24
Download der Audiodatei:
Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:
mp3-Format
Audio:
64kbps, Mono
Ogg Vorbis
Audio:
64kbps, Mono
Technische Details einblenden
Proteste werden gewalttätig

Aber nicht überall war es ein stiller Widerstand. In Kano steckten Demonstranten Reifen in Brand und versuchten, das Haus des Zentralbankchefs anzuzünden. Die Polizei ging mit Tränengas gegen sie vor, es gab Dutzende Verletzte. In Kano herrschte bis zum Morgen eine Ausgangssperre.

Es ist der enorme Anstieg der Benzinpreise, der die Wut entfacht hat. Kein Wunder: Der Preis für den Liter Sprit hat sich mehr als verdoppelt, von 65 auf 140 Naira, umgerechnet 68 Eurocent – eine ganze Menge, schließlich müssen die meisten Nigerianer von weniger als 1,50 Euro pro Tag leben. Besonders hart trifft es Taxifahrer wie Thomas aus Abuja: „Der Benzinpreis ist zu hoch für uns. 140 Naira! Ich kann jetzt nicht mehr arbeiten wie sonst und weiß nicht, wie ich meine Familie versorgen soll.“

Explosive Mischung: Korruption und steigende Ölpreise schüren die Wut vieler Nigerianer auf die Regierung.
Kampf gegen Korruption

Der Preisanstieg hat seinen Grund. Präsident Goodluck Jonathan hat schlicht die Subventionen fürs Benzin gestrichen. Damit will er acht Milliarden Dollar einsparen, die er in die marode Infrastruktur des Landes stecken will. Doch viele fürchten, dass das Geld nicht in Straßen und Krankenhäuser wandert, sondern vielmehr in die Taschen korrupter Politiker. Sie wissen, dass das Öl-Land Nigeria auch ohne die acht Milliarden ein reiches Land sein könnte – wenn der Reichtum nur besser verteilt wäre: „Was wir in diesem Land durch Korruption verlieren ist etwa viermal so hoch wie das, was wir durch den Subventionsstopp gewinnen! Die müssen diese Korruption ernsthaft angehen. Wenn nicht, dann machen wir dieses Land unregierbar!“

Die Regierung verteidigt sich. Es seien gerade die Ölsubventionen gewesen, die Korruption die begünstigt und echten Wettbewerb in der Wirtschaft verhindert hätten. Die Regierung meine es ernst mit dem Kampf gegen die Korruption, so Finanzministerin Okonjo-Iweala in der BBC: „Wir wollen mit alten Gewohnheiten aufräumen und nicht mehr erlauben, dass Geld unterschlagen wird. Gebt dieser Regierung eine Chance, damit sie beweisen kann, dass das Geld transparent verwaltet wird!“
Vertrauen in den Präsidenten schwindet

Nigerias Präsident Goodluck Jonathan verliert an Unterstützung für seinen Kurs.
Doch viele Nigerianer haben das Vertrauen in ihre Regierenden längst verloren. Das gilt auch für Präsident Goodluck Jonathan. Sein derzeit größtes Problem sind die anhaltenden Spannungen zwischen Christen und Moslems im Norden des Landes. Bei Anschlägen von radikalen Moslems sollen seit Weihnachten mindestens 80 Menschen ums Leben gekommen sein. Der Staat wirkt hilflos, vielerorts geht die Angst um.

Auch dagegen gehen die Menschen auf die Straße, so Demonstrant Steve: „Wir wissen nicht, wohin diese Streiks führen – aber etwas Gutes haben sie schon gebracht: Da vorne beten gerade ein paar Moslems, geschützt von Christen. Sie passen auf, dass den Moslems nichts passiert. Außerdem gehen verschiedene Ethnien gemeinsam auf die Straße. Alle haben hier einen gemeinsamen Gegner: eine Regierung, die kein Gespür für die Sorgen ihres Volkes hat.“

http://www.tagesschau.de/ausland/nigeriastreik110.html

Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: