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Inder produzieren Zulieferteile für Deutschlands Firmen billiger als die Osteueropäer: Produktion u.a. für Deutz, VW – Wegen der Krise in Amerika und Europa suchen die Firmen kostengünstigere Produktionsstandorte

Januar 5, 2012

Beginn der Auto Expo

In der Krise setzt Indiens Autoindustrie auf Exporte

Das Wachstum des Automarkts kennt keine Grenzen. Diese Devise galt in Indien jahrelang. Ebenso wie die gesamte Wirtschaft schwächelt die Branche aber derzeit. Die Folgen sind auch auf der Auto Expo zu spüren, die in Neu-Delhi beginnt. Die Firmen reagieren mit verschiedenen Strategien.

Von Jürgen Webermann, ARD-Hörfunkstudio Südasien

Neuwagen in Indien (Foto: picture alliance / dpa)Großansicht des BildesDie Nachfrage auf dem indischen Automarkt hat sich deutlich abgekühlt.In den drei Etagen der unscheinbaren Fabrik surren die Maschinen. Das Lagerhaus ist voller Ersatzteile, und die 250 Mitarbeiter kommen angesichts der hohe Nachfrage kaum nach. In Gurgaon südlich von Neu Delhi ist die indische Autowelt noch in Ordnung. „Wir produzieren Startermotoren“, sagt Sanjay Malhotra. „Schauen Sie, diese hier sind für die Firma Deutz“, fügt er hinzu und blickt zufrieden durch die Werkshallen. Er wundert sich schon beinahe selbst, dass sein Geschäft in diesem Jahr um 30 Prozent gewachsen ist.

Malhotra ist Autozulieferer, neben dem Traktor-Hersteller Deutz zählen auch klassische Auto-Marken wie VW zu seinen Kunden. Eigentlich hatte sich Malhotra aber auf härtere Zeiten eingestellt. „Bei uns in Indien ist die Produktion insgesamt um fünf Prozent zurückgegangen“, berichtet er. „Die Zinsen für Kredite sind schon fast lächerlich hoch.“ Das gebe es sonst nirgendwo. „Die Regierung und die Zentralbank tun alles, um die Industrie abzuwürgen.“

Markt für Kleinwagen bricht ein

Der indische Automarkt, über Jahre hinweg die Boom-Branche schlechthin, schwächelt derzeit wie die gesamte Wirtschaft. Auch Volkswagen oder BMW räumen ein, dass sich der Markt deutlich abgekühlt habe. Volkswagen hatte erst vor zwei Jahren ein großes Werk in Pune bei Mumbai aufgebaut. Vor allem der VW-Polo läuft hier vom Band. Zwar steigen die Verkaufszahlen, aber das Umfeld wird härter. „Tatsächlich ist vor allem der Markt für Kleinwagen eingebrochen. Wir müssen uns gut überlegen, wie wir da wieder herauskommen“, sagt Vishnu Matur vom Verband der indischen Autoindustrie.

Im Juli hatte Matur noch ein Wachstum des Automarkts von zehn bis zwölf Prozent vorhergesagt, jetzt sind es nur noch zwei bis vier Prozent. Vermutlich wird aber auch diese Prognose nicht mehr zu halten sein.

Vorbereitungen auf der Auto Expo in Neu-Delhi (Foto: dpa)Großansicht des BildesAngesichts der Krise ist die Stimmung auf der diesjährigen Auto Expo verhaltener als sonst.Und die schlechten Nachrichten reißen nicht ab: In der vergangenen Woche musste der indische Vorzeigekonzern Tata wegen technischer Probleme seinen Kleinwagen Nano zurückrufen, insgesamt 140.000 Autos. Der Nano, das billigste Auto auf dem Markt, war ohnehin bisher nicht besonders erfolgreich. Die Rückrufaktion wirft auch einen Schatten auf die große Auto Expo in Neu-Delhi, die alle zwei Jahre stattfindet und eine der bedeutendsten Automobil-Messen in Asien ist. Die Stimmung auf der Auto Expo dürfte diesmal etwas zurückhaltender sein als sonst.

Exporte als Alternative zur schwachen Binnennachfrage

Autozulieferer Malhotra hat jedoch einen Weg gefunden, den schlechten Zahlen zu trotzen. Er hat eine Nische entdeckt, die viel mit der Krise in Europa und Amerika zu tun hat. Er produziert nicht nur für den schwächelnden indischen Markt, sondern exportiert seine Startermotoren, vor allem auch nach Deutschland. „Wegen der Krise sehen sich die Autobauer nach billigeren Produktionsmöglichkeiten um“, sagt er. „Und da kommen wir ins Spiel: Weil wir auch günstiger als osteuropäische Konkurrenten sind, kommen derzeit viele Kunden zu uns.“

Malhotra investiert derzeit in neue Technik, seine Firma sei wegen der Nachfrage aus dem Ausland voll ausgelastet, sagt er. Ohnehin sieht er die indische Krise derzeit gelassen. Er spricht eher von einer kleinen Wachstumsdelle. „Indiens Wirtschaft ist so stark und wächst so nachhaltig. Ich glaube, mittelfristig wird sie wieder deutlich anziehen“, sagt Malhotra. Das gelte eben auch für den angeknacksten Automarkt, meint er. Sein Optimismus scheint jedenfalls keine Grenzen zu kennen. Malhotra hat jüngst ein deutsches Büro in Bielefeld eröffnet. Sein Ziel lautet, deutsche Mittelständler zu übernehmen.

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/indien672.html

 

From → Indien, Industrie

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