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Die Kürzungen treiben nach Griechenland auch Spanien und Italien in die Rezession: Europas Staaten brauchen in diesem Jahr viel Geld von den Anlegern – werden sie es bekommen? Ein Absturz ist jederzeit möglich!

Januar 5, 2012

SCHULDENKRISE

Absturz jederzeit möglich

Auch wenn die Schuldenkrise im Moment aus den Schlagzeilen verschwunden ist: Europas Probleme sind noch lange nicht gelöst.

Ein Mann vor seinem Problem: Italiens Ministerpräsident Mario Monti erläutert den Kursverlauf italienischer Staatsanleihen

Ein Mann vor seinem Problem: Italiens Ministerpräsident Mario Monti erläutert den Kursverlauf italienischer Staatsanleihen

Bisweilen erinnert die öffentliche Wahrnehmung von Europas Schuldenkrise an eine Seifenoper. Am Ende einer Episode hängt der Held mit einer Hand an der Klippe, unter ihm der Abgrund. Doch bevor der Held fallen kann, friert das Bild ein. Wie’s weiter geht, wird erst nächste Woche verraten. Beim Euro scheint es nicht anders zu sein: Manchmal verkünden die Schlagzeilen den baldigen Bruch der Währungsunion. Dann ist es wochenlang still, so wie im Moment.

Die Ruhe mag den Regeln des Mediengeschäfts geschuldet sein – doch sie trügt. Tatsächlich ist die Lage kaum weniger bedrohlich als noch vor Wochen, als Wirtschaftsmagazine zerbrochene Euro-Münzen auf den Titel hoben. Zwar hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Panik auf den Märkten fürs Erste gebannt, indem sie den Banken vor dem Jahreswechsel rund 500 Milliarden Euro an Liquidität zur Verfügung stellte. Ein Blick auf die Renditen für Staatsanleihen ausgewählter Staaten zeigt jedoch, dass die Sorgen der Anleger keinesfalls verschwunden sind (siehe Grafik).

Zwei Fragen werden die kommenden Monate bestimmen. Erstens: Werden die Anleger den Euro-Staaten im Süden das nötige Geld leihen, damit diese ihr Schulden refinanzieren können? Je nach Schätzung müssen Europas Staaten in diesem Jahr Kredite in Höhe von 1.500 bis 2.000 Milliarden Euro neu aufnehmen oder refinanzieren. Allein im ersten Quartal, rechnet die japanische Investmentbank Nomura vor, brauchen die Euro-Länder rund 444 Milliarden Euro, um alte Schulden zu refinanzieren.

Frankreich konnte sich zum Wochenbeginn acht Milliarden Euro leihen – ohne große Risikoaufschläge zahlen zu müssen. Doch schon in wenigen Tagen könnte erneut Panik ausbrechen, wenn Italien und Spanien wieder an den Kapitalmarkt gehen. Die Zinsen für italienische Papiere liegen immer noch nahe an der bedrohlichen Sieben-Prozent-Marke – obwohl die EZB massiv am Sekundärmarkt für Staatsanleihen interveniert. Italien muss im ersten Quartal mehr als 100 Milliarden Euro refinanzieren. In diesen Monaten könnte es „eng“ werden, warnte unlängst auch EZB-Chef Mario Draghi.

Die Probleme Italiens führen zur zweiten Frage: Wie stark wird die Konjunktur im Süden des Kontinents abstürzen? Die griechische Wirtschaft wird auch in diesem Jahr stark schrumpfen, die Arbeitslosigkeit hat sich verdoppelt. Die Lage seines Landes könnte „düsterer nicht sein“, warnte Spaniens neuer Ministerpräsident Mariano Rajoy in seiner Antrittsrede. Auch Italiens Wirtschaftsleistung schrumpft. Auf dem jüngsten EU-Gipfel haben sich die Krisenländer verpflichtet, ihre Schulden weiter abzutragen – egal wie es um die heimische Wirtschaft steht. „Das wird diese Länder in die Rezession treiben“, sagt Sylvain Broyer, Chefökonom der französischen Investmentbank Natixis.

Wie hart der Sparkurs auch den Haushalt trifft, zeigte sich zuletzt in Spanien. Ursprünglich rechnete das Land für das vergangene Jahr mit einem Defizit von rund sechs Prozent. Nun werden es wohl acht Prozent. „Das war kein Missmanagement, sondern dem schlechten Wachstum geschuldet“, sagt der Ökonom Broyer. Die jüngsten Sparbeschlüsse werden das Wachstum in Spanien den Berechnungen von Natixis zufolge um 1,4 Prozent der Wirtschaftsleistung dämpfen, in Italien sogar um 1,6 Prozent. Spanien muss allein in diesem Jahr rund 35 Milliarden Euro im Haushalt einsparen, will es sein Defizitziel von 4,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen. „Das Risiko besteht, dass man im Süden Europas weiter spart und abstürzt“, sagt Christian Dreger, Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

16. Dezember 2009

Als erste Rating-Agentur stuft Fitch die Kreditwürdigkeit Griechenlands herab; die anderen Agenturen folgen. Die Sparmaßnahmen Griechenlands reichten nicht aus, um das Defizit nachhaltig zu verringern, begründet Standard & Poor’s die Entscheidung. In der EU wächst die Angst vor einem Staatsbankrott, der andere Länder anstecken könnte. In Griechenland kommt es zu ersten Streiks gegen die Sparpolitik der Regierung.

11. Februar 2010

Die Staats- und Regierungschefs der EU erklären sich bereit, Griechenland finanziell zu unterstützen, um die Stabilität der Währungsunion zu sichern. Die EU fordert Griechenland jedoch gleichzeitig auf, die Sparanstrengungen zu verstärken.Zuvor bescheinigte die Kommission ihren Finanzstatistiken qualitative Mängel. Die griechische Regierung verkündet zusätzliche Sparmaßnahmen in Höhe von 4,8 Milliarden Euro. Das entspricht rund zwei Prozent des griechischen BIPs.

2. Mai 2010

Die EU-Finanzminister beschließen, Griechenland Kredite in Höhe von 110 Milliarden Euro zu gewähren: 80 Milliarden kommen von den Euro-Staaten, 30 vom IWF. Nur zehn Tage später fließt die erste Tranche nach Athen. Im Gegenzug wird Griechenland verpflichtet, hart zu sparen, die Wirtschaft zu reformieren und staatliche Unternehmen zu privatisieren. An den Kapitalmärkten kann sich Griechenland nur noch zu hohen Zinsen refinanzieren. Standard & Poor’s bewertet die Anleihen des Landes als hochspekulativ (B).

8. Mai 2010

Das Bundesverfassungsgericht lehnt einen Eilantrag gegen die Griechenland-Hilfen ab. Fünf Wissenschaftler hatten nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Griechenland-Hilfe im Bundestag Verfassungsbeschwerde eingelegt. Ihr Argument: Die Hilfe verstoße gegen die EU-Verträge, genauer: gegen das Verbot der gegenseitigen Haftung in der sogenannten No-Bailout-Klausel. Mit den Finanzhilfen werde eine „verheerende Inflationspolitik“ betrieben.

10. Mai 2010

Die Europäische Zentralbank (EZB)beschließt, Staatsanleihen kriselnder Staaten aufzukaufen. Sie will verhindern, dass die Länder ihre Schulden nicht mehr bedienen können, weil die Zinsen immer weiter steigen. Ihre Statuten verbieten ihr, Anleihen direkt von den Emittenten zu erwerben; also wird sie am öffentlichen und privaten Anleihemarkt – dem sogenannten Sekundärmarkt – tätig. Mit der Ankündigung bricht die EZB mit einem Tabu: Bisher hat sie derartige Mittel zur Krisenbekämpfung stets abgelehnt.

7. Juni 2010

Die Euro-Finanzminister gründen in Luxemburg die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), den sogenannten Euro-Rettungsschirm. Die Zweckgesellschaft soll im Notfall am Kapitalmarkt Kredite aufnehmen, um klamme Staaten finanziell zu stützen. Die Euro-Länder sollen für die Kredite bürgen, Deutschland mit bis zu 148 Milliarden Euro. Der EFSF umfasst insgesamt 750 Milliarden Euro. Die tatsächliche Kreditvergabekapazität liegt niedriger, weil für ein AAA-Rating hohe Garantien erforderlich sind.

29. September 2010

EU-Währungskommissar Olli Rehnpräsentiert Vorschläge zur Krisenbewältigung. Der Finne will den Stabilitäts- und Wachstumspakt stärken und die EU finanzpolitisch besser steuern. Dazu sollen etwa Sanktionen künftig automatisch verhängt werden und nicht erst, wenn die Mitgliedsländer darüber entschieden haben. Und Schuldenstaaten sollen schon bei der Eröffnung eines Defizitverfahrens ein Strafpfand in Höhe von 0,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes hinterlegen. Die EU-Finanzminister entscheiden über die Vorschläge im März 2011.

30. September 2010

Die Rating-Agentur Moody’s stuft Spanien herab, die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Sie bewertet die Bonität des Landes nun nicht mehr mit der Bestnote. Vor dem Platzen der Immobilienblase befand sich Spanien noch im Aufschwung. Seitdem kämpft das Land mit den Folgen der Finanzkrise. Ministerpräsident Zapatero bestreitet, finanzielle Hilfe der EU zu brauchen. Spanien hat auf einen rigorosen Sparkurs geschwenkt – genau wie der ebenfalls hoch verschuldete NachbarPortugal.

21. November 2010

Irland muss vom Euro-Rettungsschirm aufgefangen werden. Das Land hat seine Banken mit Milliardenbeträgen vor dem Zusammenbruch gerettet und ist dadurch selbst in eine Schieflage geraten. Die Euro-Finanzminister beschließen Hilfskredite in Höhe von 85 Milliarden Euro, im Gegenzug muss Irland wie zuvor schon Griechenland hart sparen. Die irischen Bürger sind wütend: Bis zuletzt hatte ihre Regierung bestritten, Hilfe aus Brüssel beantragen zu wollen.

28. November 2010

Die Finanzminister der Euro-Länder einigen sich auf einen dauerhaften Krisenfonds, den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Er soll 2013 den Rettungsfonds EFSF ablösen. Der ESM umfasst 700 Milliarden Euro, von denen maximal 500 Milliarden an Not leidende Staaten verliehen werden können. Der Rest dient als Sicherheitseinlage. Sie soll die Rating-Agenturen überzeugen, auch dem ESM Bestnoten zu verleihen. Im Gegensatz zum EFSF wird der neue Fonds mit einer Bareinlage in Höhe von 80 Milliarden Euro ausgestattet. In Einzelfällen können auch private Gläubiger beteiligt werden.

Dezember 2010

Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker schlägt Euro-Bonds als Weg aus der Krise vor – Staatsanleihen, die die EU-Mitgliedsstaaten gemeinsam herausgeben. Deutschland stellt sich quer: Die Kanzlerin will lieber die Wirtschaftspolitik der Staaten enger verzahnen. Sie fürchtet, Euro-Bonds würden den Anreiz senken, solide zu wirtschaften. Juncker wirft der Bundesregierung eine „uneuropäische Art“ vor und findet: „Deutschland denkt da ein bisschen simpel.“

16. Dezember 2010 /25. Januar 2011

Die EZB verdoppelt ihr Grundkapital auf elf Milliarden Euro, um ihre Anleihekäufe abzusichern. Zu diesem Zeitpunkt hat sie bereits für 72 Milliarden Euro Anleihen aufgekauft – griechische, irische, portugiesische, spanische. Einen Monat später gibt der Rettungsfonds EFSF erstmals selbst Anleihen auf dem Kapitalmarkt aus.Das Interesse der Anleger an den EFSF-Anleihen ist enorm, unter anderem wegen seines Top-Ratings.

11. März 2011

Die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder beschließen, die Kreditvergabekapazität des EFSF auf 440 Milliarden aufzustocken. Außerdem einigen sich die Staaten auf den „Pakt für den Euro“ – die Selbstverpflichtung, sich in der Haushalts-, Steuer- und Sozialpolitik enger abzustimmen – und verpflichten sich zum Sparen. Gleichzeitig wird der Stabilitäts- und Wachstumspakts verschärft. Die von Deutschland geforderten automatischen Sanktionen scheitern allerdings am Widerstand der Mitgliedsstaaten.

April 2011

Innerhalb der schwarz-gelben Koalitionregt sich Widerstand gegen den ESM: Mehr als 30 FDP-Politiker fordern, den Rettungsfonds auf dem Parteitag im Mai abzulehnen. Außerdem wollen sie ein Insolvenzverfahren für EU-Staaten mit starker Gläubigerbeteiligung und ein Verbot für die EZB, Anleihen aufzukaufen. Sie scheitern: Zwei Drittel der Liberalen sprechen sich gegen ein Nein zum ESM aus. Außenminister Westerwelle sagt: „Europa liegt im deutschen Interesse.“

7. April 2011

Auch Portugal will unter den Rettungsschirm. Das ärmste Land Westeuropas sieht keine Alternative, nachdem die Opposition im März ein geplantes Sparprogramm der Minderheitenregierung ablehnte. Nach dreiwöchigen Verhandlungen bekommt Portugal 78 Milliarden Eurozugesprochen – und mehr Zeit für den Schuldenabbau: Die Neuverschuldung des Staats darf in diesem Jahr nun statt 4,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 5,9 Prozent betragen.

6. Mai 2011

Spiegel Online berichtet, Griechenland erwäge den Austritt aus der Euro-Zone und die Rückkehr zur eigenen Währung. Die EU-Finanzminister träfen sich noch am selben Abend zu einer geheimen Krisensitzung. Athen und Brüssel dementieren den Bericht. Später heißt es: Es gibt ein Treffen – allerdings ohne Austritts-Debatte. Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker lässt mitteilen: „Das sind Gerüchte ohne Substanz.“ Der Kurs der gemeinsamen Währung sackt trotzdem zeitweilig ab.

20. Juni 2011

Die EU-Finanzminister vertagen die Entscheidung über die fünfte Kredittranche für Griechenland. Kommt sie nicht, wäre das Land Mitte Juli pleite. Der Bericht der Troika (EZB, IWF, Kommission) kommt zum Schluss, dass Griechenland über 2012 hinaus finanzielle Unterstützung braucht. Das Land wackelt indes auch innenpolitisch:Die Bürger demonstrieren, die Opposition blockiert den Sparkurs, Premierminister Papandreou bildet unter Druck sein Kabinett um.

Juli 2011

Die Sorge um Italien lässt die Gemeinschaftswährung abrutschen. Die Staatsverschuldung der drittgrößten Volkswirtschaft Europas ist, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, mit fast 120 Prozent höher als die Irlands und Portugals. Die Renditen auf ihre Anleihen steigen. Die Regierung plant, in vier Jahren knapp 48 Milliarden Euro einzusparen, etwa im öffentlichen Dienst und im Gesundheitswesen.Berlusconi meint trotzdem: „Wir sind stabil.“

21. Juli 2011

Die Euro-Länder beschließen das zweite Rettungspaket für Griechenland. Es umfasst neue Kredite in Höhe von 109 Milliarden Euro und soll bis 2014 reichen. Erstmals beteiligen sich freiwillig private Gläubiger: Banken sollen 37 Milliarden Euro beisteuern, indem sie griechische Staatsanleihen in neue Bonds mit geringeren Zinsen umtauschen. Ein Erfolg für die Bundesregierung, die sich für die Beteiligung privater Gläubiger eingesetzt hat.

8. August 2011

Die Europäische Zentralbank kauft erstmals auch italienische und spanische Staatsanleihen am Sekundärmarkt. Sie will damit verhindern, dass die Zinsen für die Krisenstaaten weiter steigen. Mit Erfolg: Der Druck auf die beiden Länder nimmt in den kommenden Wochen etwas ab. Italien erklärt sich bereit, ein weiteres Sparpaket aufzulegen: Bis 2013 soll der Haushalt um weitere 45 Milliarden Euro gekürzt werden.

August 2011

Die Debatte über Euro-Bonds entflammt neu. Euro-Gruppen-Chef Juncker ist dafür, die Krisenstaaten im Süden auch. In Deutschland drängen SPD und Grüne auf die gemeinsamen Anleihen; auch in der CDU bröckelt der Widerstand. Die FDP ist weiterhin strikt gegen Euro-Bonds, auch Angela Merkel lehnt sie ab. Unterdessen sorgen Gerüchte, Frankreich könnte sein AAA-Rating verlieren, für Turbulenzen an den Börsen. Der Dax fällt zeitweise um bis zu sechs Prozent im Vergleich zum Vortag. Sarkozy kündigt weitere Sparpläne an.

16. August 2011

Merkel und Sarkozy treffen sich zu einem Krisengipfel. Euro-Bonds sind dabei angeblich kein Thema. Stattdessen schlagen die beiden Staatschef eine EU-Wirtschaftsregierung vor, die sich aus dem Rat der Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder zusammensetzen soll. Außerdem soll eine Schuldenbremse nach deutschem Vorbild in die Verfassungen der Euro-Länder – und eine Steuer auf Finanztransaktionen. Letztere stößt vor allem bei den Banken auf wenig Gegenliebe.

31. August 2011

Das Bundeskabinett bringt das „Gesetz zur Übernahme von Gewährleistungen im Rahmen eines europäischen Stabilisierungsmechanismus“ auf den Weg. Damit setzt es die Beschlüsse des Euro-Gipfels vom 21. Juli um. Deutschland bürgt nun für weitere 211 Milliarden Euro. Knackpunkt in der deutschen Diskussion ist dieBeteiligung des Bundestages: Künftig soll das Parlament über alle neuen Hilfen abstimmen. Unter anderem haben die Unions- und die FDP-Fraktion dies gefordert.

August/September 2011

Die europäischen Banken misstrauen einander zunehmend. Statt sich gegenseitig Geld zu leihen, bemühen sie die EZB. Der Liquiditätsfluss im Finanzsektor droht auszutrocknen, dieAngst vor einer neuen großen Bankenpleite wächst. Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), fordert deshalb, die Banken mit neuem Kapital auszustatten, das direkt vom Rettungsfonds EFSF kommen soll.Auch die Bankenaufsicht (EBA) zeigt sich besorgt. EZB-Chef Trichet und Deutsche-Bank-Chef Ackermann hingegen kritisieren die Vorstöße.

7. September 2011

Erneut weist das BundesverfassungsgerichtVerfassungsbeschwerden gegen die Griechenland-Hilfen ab. Die Richter entscheiden, dass die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds EFSF mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Sie setzen aber voraus, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages allen Rettungsmaßnahmen zustimmen muss. Bisher musste sich Finanzminister Wolfgang Schäuble lediglich um ein Einvernehmen mit dem Parlament bemühen.

Mitte September 2011

Die Spekulationen über eine mögliche Insolvenz Griechenlands nehmen zu. Eine neue Immobiliensteuer soll das benötigte Geld in die öffentlichen Kassen bringen. Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos sagt, sein Land brauche weitere Milliarden, um seine Haushaltsziele zu erreichen. Die griechische Wirtschaft schrumpft stärker als gedacht. Ein Sprecher des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble nennt die Spekulationen „zwecklos“, aber Wirtschaftsminister Philipp Rösler sagt öffentlich, es dürfe keine Denkverbote geben. Eine geordnete Insolvenz schließt er nicht mehr aus.

29. September 2011

Der Bundestag billigt die von den Euro-Ländern geplante Aufstockung des Rettungsfonds EFSF auf 780 Milliarden Euro, von denen 440 Milliarden an überschuldete Euro-Staaten verliehen werden können. Treten die geplanten Änderungen in Kraft, steigen die deutschen Garantien um 88 Milliarden auf 211 Milliarden Euro. Zudem erhält der Fonds dann weitere Kompetenzen: Künftig soll er an der Börse Staatsanleihen von Krisenstaaten kaufen, um deren Kurse zu stabilisieren. Von 611 anwesenden Abgeordneten im Bundestag stimmen 523 dem Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen zu.

Oktober 2011

Am 26. Oktober stimmt der Bundestag schon wieder über eine Ausweitung des Rettungsfonds EFSF ab. In ihrerRegierungserklärung appelliert Kanzlerin Merkel an die Abgeordneten, ihre Rettungspolitik zu unterstützen: „Scheitert der Euro, scheitert Europa“, sagt sie. 503 von 596 Abgeordneten stimmen für die Erweiterung. Auf dem anschließenden EU-Gipfel beschließen die Staats- und Regierungschefs einen Schuldenschnitt für Griechenland, eine Ausweitung des EFSF und eine Rekapitalisierung der Banken. Italien verspricht, stärker zu sparen.

Anfang November 2011

Am 31. Oktober kündigt Griechenlands Ministerpräsident Papandreou überraschend an, er wolle seine Bevölkerung über die EU-Rettungshilfenabstimmen lassen. Europas Regierungen setzten Griechenland daraufhin unter Druck: Die nächste Kredittranche, von den Euro-Finanzministern eigentlich schon gebilligt, wird auf Eis gelegt. Am 3. November sagt Papandreou das Referendum wieder ab. Sechs Tage später kündigt er seinen Rücktritt an.Das frühere EZB-Ratsmitglied Lucas Papademos wird neuer griechischer Ministerpräsident.

Mitte November 2011

Nach wachsendem Druck der Finanzmärkte auf Italien tritt Regierungschef Silvio Berlusconi zurück. Sein Nachfolger wird der frühere EU-Kommissar Mario Monti. Im Dezember stimmt das Parlament in Rom seinem Spar- und Sanierungsprogramm zu. Auch in Spanien wechselt die Regierung: Bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 20. November werden die Sozialisten abgewählt, die konservative Volkspartei (PP) mit ihrem Spitzenkandidaten Mariano Rajoy siegt. Er löst im Dezember José Luis RodríguezZapatero als Regierungschef ab.

Dezember 2011

Am 5. Dezember, nur wenige Tage vor dem nächsten EU-Gipfel, droht die Rating-Agentur Standard & Poor’s Deutschland und weiteren 14 Ländern der Euro-Zone mit der Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit. Auf dem Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs ist Großbritanniens Premierminister David Cameron isoliert: Er will einen Vertrag für mehr Haushaltsdisziplin nicht mittragen, die anderen Länder vereinbaren den Abschluss des Regelwerks. Für sein Verhalten erntet Cameron auch im eigenen Land viel Kritik.

Das alles führt dazu, dass sich die Konjunktur in Europa weiter aufspaltet: „Im Norden gut, im Süden eher schlecht“, wie der Ökonom Daniel Gros sagt. Mit einer scharfen Rezession innerhalb der Euro-Zone rechnen aber weder Gros noch Broyer. Die Investmentbank Natixis sieht sogar für das zweite Halbjahr 2012 eine leichte Besserung voraus – unter anderem, weil der sinkende Ölpreis den Konsumenten mehr Geld in der Tasche lässt. Zugleich könnten die Reformen in den Südländern greifen. „Die wichtigen Länder machen gute Fortschritte“, sagt Gros. „Die Frage ist, wann die Märkte das honorieren werden.“

Das ist der Plan, auf den man auch in Brüssel und Berlin setzt: Reformen im Süden, während die EZB weiter Staatsanleihen aufkauft und so den Krisenstaaten Zeit verschafft. Vielleicht hilft auch die gute deutsche Konjunktur den Südländern etwas auf die Beine – schließlich steigen hierzulande zumindest leicht die Löhne.

Die Krise, so sagt es der Ökonom Gros, befinde sich auf einem „Plateau“. Gut möglich, dass sich die Lage an diesem Punkt stabilisiert. Ein Absturz aber ist jederzeit möglich – etwa wenn die Reformen ins Stocken geraten oder eine neue Bankenpanik ausbricht. So ist das bei Seifenopern. Die Auflösung kommt oft erst in der nächsten Woche.

http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-01/Euro-Krise-Absturz-Zinsen

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