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Nigeria ist tief gläubig und diesen Glauben nutzen Gruppen mit radikalen Lösungen aus! Aber Islamismus und Rechtextremismus haben nur eine Chance, wenn vor allem die jungen Menschen keine Perspektiven haben, Arbeit zu finden, von der sie leben können und die Eliten nur eine egozentrische Politik verfolgen! Wer Extremismus beseitigen will, muss eine gerechte Welt für alle schaffen! Das war die Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg, niedergeschrieben in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte! Schaffen wir jetzt eine globale demokratische Bewegung für weltweite Zusammenarbeit, um die Menschenrechte, wie das Recht auf Arbeit, Ernährung, soziale Sicherheit umzusetzen, bevor alles noch weiter aus dem Ruder läuft! Mit Repression allein sind weder der Islamismus, noch sein europäischer Zwillingsbruder, der Rechtsextremismus, zu besiegen!

Dezember 27, 2011

slamistische Gruppen in NordafrikaMächte der Finsternis

27.12.2011, 11:06

Von Rudolph Chimelli

Von der Maghreb-Qaida bis zur Al-Shabaab-Miliz: Im Norden Afrikas entsteht ein gefährliches Netzwerk islamistischer Gruppierungen. Ihr gemeinsamer Feind ist der Westen.

Zwei Anführer der al-Qaida für den Islamischen Maghreb (Aqmi) – die beiden algerischen Emire Abu Said und Mochtar Belmochtar – sollen im Herbst „Berabisch-Frauen“ geheiratet haben. Berabisch, so werden auch in Nigeria die Stämme arabischer Herkunft genannt, die im Norden des Landes siedeln. Dies ist das jüngste Indiz für eine mögliche Zusammenarbeit zwischen der Maghreb-Qaida, die ihre Tätigkeit aus den dichter besiedelten Gebieten Algeriens in die Sahelzone verlegt hat, und den radikal-islamischen Boko-Haram-Rebellen, die sich zu den Anschlägen auf christliche Kirchen bekennen. Diese Kontakte sind oft vermutet worden. Beweise, dass es dabei um mehr als Gesinnungsgemeinschaft geht, fehlen bisher.

Members of the hardline al Shabaab Islamist rebel group hold their weapons in Somalia's capital MogadishuBild vergrößern

„Wenn wir nichts tun, könnten wir einem Netzwerk gegenüberstehen, das von Ostafrika durch die Mitte (des Kontinents) reicht“, zitiert Time den Kommandeur des Africa Command (Africom) der USA, General Carter Ham. Im Bild zu sehen: somalische Al-Shabaab-Milizen in Mogadischu. (© REUTERS)

Auch dass die Boko Haram, wie sie selber behaupten, mit den islamistischen Al-Shabaab-Kämpfern Somalias und mit den Taliban in Afghanistan zusammenarbeiten, ist alles andere als gesichert. Die Zeitung Le Monde zitierte im Sommer einen Boko-Haram-Sprecher mit der Äußerung: „Wir wollen bekanntmachen, dass Dschihad-Kämpfer aus Somalia in Nigeria eingetroffen sind. Sie haben dort eine militärische Ausbildung durch unsere Brüder erhalten, die das Land unregierbar gemacht haben. Sehr bald werden wir den Dschihad auch hier beginnen.“

Der Kommandeur des Africa Command (Africom) der USA, General Carter Ham, befürchtet solche Zusammenhänge mindestens. Nachdem die Boko Haram im August das UN-Gebäude in der nigerianischen Hauptstadt Abuja in die Luft gesprengt hatte, sagte er noch: „Wir beschäftigen uns mit Aqmi, al-Shabaab und Boko Haram einzeln. Was uns wirklich Sorgen macht, ist, dass sie das erklärte Ziel haben, ihre Anstrengungen zu koordinieren.“

In seiner jüngsten Ausgabe zitierte das Magazin Time den General aus Washington: „Wenn wir nichts tun, könnten wir einem Netzwerk gegenüberstehen, das von Ostafrika durch die Mitte (des Kontinents) reicht.“ Die drei Organisationen hätten öffentlich erklärt, dass sie Bürger westlicher Staaten aufs Korn nehmen wollten. „Ich bin sehr, sehr besorgt“, betonte Ham.

Wie sich die Tuareg-Stämme, die mit der Sahelzone am besten vertraut sind, in diese eventuellen Kombinationen einordnen, ist ungewiss. Erst kürzlich ist eine Schmugglerkolonne der Berabisch, die das Wegegeld für ihren Rauschgifttransport nicht zahlen wollte, mit Tuareg zusammengestoßen. Nach dem Zusammenbruch des Gaddafi-Regimes in Libyen sind etwa 2000 bis 4000 Tuareg, die vorher im Sold des Diktators standen, mit ihren schweren Waffen in die Sahelzone eingesickert. Traditionell bekennen sich die Tuareg-Nomaden – die nicht Arabisch, sondern einen Berber-Dialekt sprechen – zu einem gemäßigten Islam. Die Tuareg arbeiten mit den Al-Qaida-Aktivisten punktuell zusammen, wenn sich gemeinsame Geschäfte ergeben. Doch der fundamentalistische Islam der Aqmi oder der Boko Haram entspricht nicht ihren Gewohnheiten.

Die Aqmi-Kämpfer, überwiegend Algerier, werden auf nicht mehr als 400 geschätzt. Aber sie operieren in einem Gebiet, das so groß ist wie Europa: in der Sahelzone Algeriens, Malis, Mauretaniens und Nigers sowie in den Grenzregionen Tschads und Libyens. Sie profitieren davon, dass sie keinen potenten militärischen Gegner haben. Zwar haben die vier unmittelbar beteiligten Staaten ein gemeinsames militärisches Kommando zur Bekämpfung des Sahara-Terrorismus (Cemoc) gebildet. Doch es ist nie operativ geworden: Die Algerier, die als einzige über starke Verbände verfügen, wollen ihre Truppen nicht jenseits ihrer Grenzen einsetzen.

In einer ganz anderen Situation sind die Boko Haram, die von den StreitkräftenNigerias konsequent bekämpft werden. Ihr Gründer, der Prediger Mohammed Jussuf, ist vor zwei Jahren von Soldaten getötet worden. Als er seine Kampf-Organisation vor bald zehn Jahren ins Leben rief, richtete sich diese nicht gegen die Christen oder deren Institutionen. Das Ziel waren Einrichtungen des als korrupt geltenden Staates und speziell westliche Erziehungsmethoden, gegen die Vordenker schon zur französischen Kolonialzeit polemisiert hatten. „Boko“ heißt in der Haussa-Sprache so viel wie „Schwindelei“, womit in diesem Fall westlicher Unterricht gemeint ist. „Haram“ bedeutet auf Arabisch „verboten“. Am Anfang fand die Boko Haram Anhänger vor allem unter Studenten, Universitätsabsolventen und im Mittelstand.

Dass sich die Organisation gegen christliche Kirchen wandte und die Einführung der Scharia, des islamischen Rechts, forderte, wurde als Zeichen der Hinwendung zu den Ideen von al-Qaida gesehen.

Terrorgruppe Boko Haram in NigeriaSprengkraft des Glaubens

26.12.2011, 17:42

Von Arne Perras

Mit den blutigen Anschlägen auf Kirchen verstärkt die islamische Terrorgruppe Boko Haram die Spannungen zwischen den nigerianischen Religionsgruppen – und fordert den christlichen Präsidenten Goodluck Jonathan heraus. Aber auch für die Weltgemeinschaft sind die Ziele Boko Harams bedrohlich.

Im Glauben liegt die Kraft. Dieser Botschaft folgen viele Menschen auf dieser Welt. Sie gehen in die Kirche, die Moschee oder andere Gotteshäuser, weil sie dort den Halt finden, den sie für ihr Leben brauchen. Das ist auch in Nigeria so, wo Muslime und Christen das größte Staatsvolk Afrikas bilden. Die Gläubigen strömen dort in Massen in die Gottesdienste oder zu ihren Gebetsstunden. Der Glaube mobilisiert in diesem Land weit mehr Bürger als anderswo, denn hier hat Religion noch großes Gewicht.

Kurz vor Ende des Gottesdienstes detonierten die Sprengkörper: In Madalla, einem Vorort der Hauptstadt Abuja, starben mindestens 35 Menschen am Morgen des ersten Weihnachtstages. Es war der Beginn der Anschlagsserie in Nigeria. (© REUTERS)

Das wissen alle – auch die Extremisten. Militante Gruppen haben deshalb in Nigeria eine verheerende Waffe in der Hand. Terroristen setzen auf die Sprengkraft des Glaubens, indem sie den Tod in die Gotteshäuser tragen. Diese Kräfte wollen sich mit einer blutigen Botschaft ins Bewusstsein der Nation bomben. Und so entwickelte sich Nigerias Weihnachten zu einem wahren Fest des Schreckens: Bei Attacken auf christliche Gotteshäuser kamen am Weihnachtswochenende mehrere Dutzend Menschen ums Leben.

Zu den Anschlägen bekannte sich die islamische Miliz Boko Haram aus dem Nordosten des Landes. Sie geißelt den wachsenden Einfluss des Westens in Nigeria und hat schon wiederholt Kirchen, Regierungsbüros und Polizeistationen attackiert. Auch ein UN-Büro sprengte die Gruppe in die Luft. Allein in diesem Jahr soll die Miliz schon mehr als 500 Menschen getötet haben.

Was vielleicht wie ein Krieg der Religionen aussieht, ist vielleicht doch eher der Versuch einer kleinen, extrem gewaltbereiten Gruppe, den Staat Nigeria ins Wanken zu bringen – und das bevölkerungsreichste Land des Kontinents womöglich auseinanderzusprengen. Dieses Ziel mag bei 160 Millionen ganz überwiegend friedlichen und sehr gläubigen Menschen wahnwitzig anmuten. Doch die Terrorgruppe Boko Haram ist weit besser organisiert, als der Staat anfangs dachte. Und seine Hintermänner bleiben nach wie vor im Dunkeln, was die Gefahr noch gespenstischer erscheinen lässt.

Wenn Boko Haram nun christliche Kirchen in die Luft sprengt, so dürfte dies die Spannungen zwischen den Religionsgruppen verstärken und dem Land die wachsende Ohnmacht ihres Präsidenten Goodluck Jonathan vorführen. Der Präsident ist ein Christ des Südens, und er regiert heute vor allem deshalb, weil der frühere muslimische Präsident Umaru Yar‘ Adua vor Ablauf seiner Amtszeit einer schweren Krankheit erlag. Jonathan gewann die jüngsten Wahlen, aber er muss seither ein wachsendes Misstrauen im muslimischen Norden abbauen, der sich benachteiligt fühlt. Dieser Ausgleich aber gelingt dem Präsidenten nicht. Viele glauben, er habe sich darum nie ernsthaft bemüht.

Nach den Anschlägen appellierte Jonathan an seine Nation und jeden Nigerianer, „zusammenzustehen“. Denn Boko Haram entzweit die Nation, ohne dass die Regierung ein Konzept dafür hat, die Gefahr zu bannen. Vielleicht ist es aber genau das, was manche Kräfte im Norden Nigerias sogar wollen. Dort befürchtet man seit längerem, dass der christliche Süden die Macht und die Reichtümer des Landes monopolisieren könnte. Deshalb gibt es immer wieder Vermutungen, dass Boko Haram im Norden mächtige Fürsprecher hat, die Präsident Jonathan mit Bomben unter Druck setzen sollen. Aber zu welchem Zweck? Soll der Terror den Nigerianern vorführen, dass eigentlich nur die Generäle das Land zusammenhalten können, so wie früher?

Beweise gibt es für solche möglichen Machenschaften nicht, sie bleiben vorerst Spekulation. Aber alle werden auch die Worte des früheren Machthabers und unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Muhammadu Buhari aus dem Norden hören. Kurz nach den Attacken hat er das „Versagen der Führung“ in Abuja angeprangert und kritisiert, dass Jonathan nicht fähig sei, seine Bürger zu schützen.

Sicher ist, dass sich Boko Haram innerhalb von wenigen Jahren zum bedrohlichsten Staatsfeind Nigerias entwickelt hat. Die Gruppe, die sich 2002 formierte, lehnt jede Form der westlichen Bildung ab, sie kämpft für die weitere Verbreitung der Scharia, und sie betrachtet den Staat Jonathans als Paten allen Übels.

Lange Zeit galten die Öl-Rebellen des Nigerdeltas als besonders bedrohliche Unruhestifter im Lande, sie bombardierten Pipelines und entführten Ölarbeiter, um Lösegeld zu erpressen. Die Konflikte um das Öl sind noch lange nicht gelöst, aber Jonathan ist es gelungen, die Rebellen des Südens durch Amnestiepakete und Aufbauprogramme ruhigzustellen. Nun haben die fortgesetzten Attacken Boko Harams und die Jagd der Sicherheitskräfte nach den Extremisten ein Klima der Angst und der Unsicherheit geschaffen, das viele Nigerianer weit mehr alarmiert als der blutige Konflikt um den Rohstoff im Delta.

Auch für die Weltgemeinschaft sind die Ziele Boko Harams bedrohlich, denn wenn der Koloss Nigeria als Staat auseinanderbricht, würde dies vermutlich einen neuen verheerenden Krieg auslösen. Die Nigerianer selbst haben diese Gefahr stets heruntergespielt, sie argumentieren immer wieder, dass der Biafra-Krieg die Nation einst derart traumatisiert habe, dass niemand einen neuen großen Konflikt wolle. Dennoch ist schwer abzuschätzen, wie lange der Friede halten kann, wenn die Gewalt zwischen Muslimen und Christen immer öfter eskaliert.

Die blutigen Tage im Dezember offenbaren Fehleinschätzungen der Regierung Jonathans. Noch vor einigen Monaten versicherte sie, Boko Haram sei bald ein Phänomen der Vergangenheit. Offenbar setzte Abuja darauf, den Feind militärisch ausschalten zu können. Sicherheitskräfte und die islamischen Kämpfer lieferten sich vor Weihnachten wieder heftige Gefechte im Norden, bei denen 60 Menschen starben. Darauf folgten die Weihnachtsattacken, die womöglich als Vergeltungsschläge geplant waren – und als Signal an Jonathan, dass er Boko Haram nicht so einfach zerschlagen kann. Die Botschaft der Extremisten lautet: Der Terror ist stärker als der Präsident.

Auch wenn die Extremisten vielleicht gar nicht so zahlreich sind, so wächst doch mit jeder Eskalation das Misstrauen zwischen dem muslimischen Norden Nigerias und dem überwiegend christlichen Süden. Das ist Jonathans größtes Problem. Und vielleicht ist es für ihn schon zu spät, um es zu entschärfen.

  http://www.sueddeutsche.de/politik/terrorgruppe-boko-haram-in-nigeria-sprengkraft-des-glaubens-1.1244165

From → Islamismus, Nigeria

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