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Musik des Hasses: „Neun Mal hat er bisher brutal gekillt / doch die Lust am Töten ist noch nicht gestillt“, besangen sie bereits 2010 die Mordserie – lange bevor herauskam, dass dafür die neonazistische Terrorzelle aus Zwickauverantwortlich war.

Dezember 27, 2011

Zwickauer TerrorzelleMusik des Hasses

27.12.2011, 10:53

Von Jan Bielicki

Bereits 2010 tauchte die Mordserie des Zwickauer Terrortrios in Liedtexten auf, in Chemnitz wurde der „Dönerkiller“-Song produziert und ein verdächtiger Freund organisierte Treffen europäischer Neonazis wie das „Fest der Völker“: Das Umfeld von Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe war gut vernetzt mit Skinhead-Bands.

Der damalige NPD-Chef Udo Voigt war da und auch Holger Apfel, der mittlerweile sein Nachfolger ist. Zum „Pressefest“ der NPD-Zeitung Deutsche Stimme kamen im August 2006 etwa 7000 Rechtsextremisten nach Dresden – wohl vor allem, weil dieNPD szenebekannte Bands auftreten ließ. Als Gigi & die Stadtmusikanten spielten, sollen „schön viele ihre Ärmchen gehoben“ haben – zum verbotenen Hitlergruß. So notierten es Verfassungsschützer aus Berichten begeisterter Besucher. Hunderte brüllten antisemitische Parolen wie „Eine U-Bahn bis nach Auschwitz“.

Gigi, bürgerlich Daniel Giese aus Meppen, fiel später mit einem anderen Lied auf. „Neun Mal hat er bisher brutal gekillt / doch die Lust am Töten ist noch nicht gestillt“, besangen er und seine braunen Musikanten bereits 2010 die Mordserie – lange bevor herauskam, dass dafür die neonazistische Terrorzelle aus Zwickauverantwortlich war. Das muss nicht bedeuten, dass Gigi wusste, dass das Zwickauer Trio mit den Morden zu tun hatte. Doch wird deutlich, wie eng das Umfeld der Terroristen mit der rechtsextremen Musikszene verknüpft ist.

Gigis Musikanten sollten 2006 auch auf dem „Fest der Völker“ in Jena spielen. Diese Treffs europäischer Neonazis organisierte der NPD-Funktionär Ralf Wohlleben mit Hilfe von André K., beide alte Freunde von Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe. Wohlleben sitzt unter dem Verdacht, das Trio unterstützt zu haben, in Untersuchungshaft. Auf seinen Festivals spielten Bands, die „Blood & Honour“ (B&H) zuzurechnen waren. Zu diesem Netzwerk neonazistischer Skinhead-Bands zählte auch Gieses Band Stahlgewitter, ehe B&H im Jahr 2000 verboten wurde.

Die Verbindungen der B&H-Protagonisten überstanden das Verbot nahezu unbeschadet. Konzerte, auf denen die Codeziffer „28“ – für die Buchstaben B und H – auftauchte, fanden immer wieder statt. Inzwischen begegnen sich viele der alten Kameraden unter dem Code „38“ wieder. Die Nummer steht für „Crossed Hammers“, die gekreuzten Hämmer des sich elitär gebenden Skinhead-Netzwerks „Hammerskin Nation“.

Auf Hammerskin-Konzerten sang auch Gigi. Seine CD „Adolf Hitler lebt“ mit dem zynischen „Dönerkiller“-Song hat das Rechtsrock-Label PC Records in Chemnitzproduziert, das Verfassungsschützer als „im wahrsten Sinne tonangebend“ in der Hammerskin-Szene ansehen und dessen Betreiber Yves R. auf Wohllebens Neonazi-Festivals geworben hat. In die Chemnitzer Szene führt eine direkte Spur des untergetauchten Trios: Dort, in der Wohnung von Max Florian B., damals begeisterter Rechtsrockfan, sind die Flüchtigen nach dessen Eingeständnis zeitweise untergekommen.

Im Umfeld möglicher Helfer des Trios taucht immer wieder eine weitere Figur der Hammerskin-Szene auf: Thomas G. aus Altenburg gilt neben Maik Scheffler, dem Landesvize der Sachsen-NPD, als führender Kopf der regionalen Hammerskins. Der vorbestrafte Neonazi ist gut bekannt mit Wohlleben und André K. Er hat auch gute Kontakte nach Zwickau, wo die Terrorzelle lebte. Einen Kern der dortigen Neonaziszene bildete die Band Eternal Bleeding aus Altenburg. Auch sie zählt zum Hammerskin-Netzwerk. Eine ihrer CDs wurde von der Ludwigshafener Firma Gjallarhorn Klangschmiede produziert. Deren Chef Malte R. gilt als oberster Hammerskin-Mann in der „Westmark“ und ist mit den Kameraden im Osten gut vernetzt. Auf Fotos posiert er im Hammerskin-Shirt gemeinsam mit Thomas G.

In einem von linken Aktivisten gehackten Internetforum des neonazistischen Aktionsbüros Rhein-Neckar chattete er auch mit Leuten aus dem Jenaer Umfeld des untergetauchten Trios. André K. war auf diesen Seiten dabei, aber auch Nicole S., die einst unter dem Vorsitzenden Wohlleben im Jenaer NPD-Kreisvorstand saß und den Verhafteten nun als Rechtsanwältin vertritt. Wohlleben selber hat an der Gestaltung des Internetauftritts mitgewirkt. Auch Thomas G. hatte Zugang zu dem Forum – und verwendete als Passwort den Namen einer mutmaßlichen Unterstützerin des Trios, den Zschäpe als Alias nutzte.

Beste Verbindungen soll Malte R. nach Mecklenburg-Vorpommern haben. Als der dortige NPD-Aktivist Sven K. verhaftet wurde, rief „Westmark“ im Internet zur Unterstützung des Kameraden auf. In Stralsund soll Malte R. nach Wissensstand des örtlichen Regionalzentrums für demokratische Kultur seit Anfang 2007 einen Laden für rechtsextreme Devotionalien betreiben. Ist es nur Zufall? In der Hansestadt wurde eine Sparkassenfiliale zweimal überfallen, im November 2006 und im Januar 2007. Die Täter sollen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos gewesen sein.

 

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