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Shell versaut den Atlantik: Zehntausende Barrel Öl fließen vor Nigeria ins Meer

Dezember 25, 2011

Shell versaut den Atlantik

Zehntausende Barrel Öl fließen aus einem Shell-Ölfeld ins Meer statt in die Leitungen. Die Katastrophe ist so schlimm, dass sogar die nigerianischen Politiker sauer sind.VON KATRIN GÄNSLER

Immer wieder für Skandale gut: Shell in Nigeria. Bild:  AP

LAGOS taz | Shell soll endlich zahlen. Das hat der nigerianische Senat am späten Donnerstagnachmittag gefordert und will somit die Gangart gegenüber den Ölmultis verschärfen. Auslöser dafür ist die vermutlich größte Ölkatastrophe vor der nigerianischen Küste seit 1998: Vom Ölfeld Bonga – benannt nach einer Fischart – sollen Mitte der Woche 30.000 bis 40.000 Barrel Öl ins offene Meer geflossen sein.

„Shell muss sofort alle notwendigen Maßnahmen ergreifen und uns finanziell entschädigen“, hat Bukola Saraki, Senator und Vorsitzender des Komitees für Umwelt und Ökologie, dem nigerianischen Radiosender Voice of Nigeria gesagt. Es ist eine ungewohnt deutliche Forderung an das multinationale Unternehmen. In Nigeria gibt es zwar bereits seit Jahren die staatliche Agentur Nosdra (National Oil Spill Detection And Response Agency), die über jede Ölhavarie genau Buch führen soll. Doch für die Politiker in der Hauptstadt Abuja ist das Nigerdelta, wo es fast täglich zu Ölaustritten kommt, in der Vergangenheit weit weg gewesen.

Für Umweltverschmutzung hat sich in Nigeria traditionell kaum jemand interessiert. Wer nicht selbst aus dem Delta kommt, war allenfalls genervt, wenn das Thema auch nur angesprochen wurde. Daher ist das Umdenken nun einigermaßen überraschend. Allerdings: Diese Vorgehensweise könnte Nigeria jede Menge Geld bringen.
Eine maßlose Untertreibung?

Der Umweltschutzorganisation ERA (Environmental Rights Action) um Nnimmo Bassey – für seinen Kampf um bessere Lebensbedingungen und gegen Umweltverschmutzung erhielt er im vergangenen Jahr den Alternativen Nobelpreis – gehen die Forderungen des Senats nicht weit genug. ERA vermutet, dass die von Shell angegebenen 40.000 Barrel, die in den Atlantik geflossen seien, eine maßlose Untertreibung darstellen.

„Das ist bereits bei früheren Katastrophen der Fall gewesen“, so Bassey. Unverständlich ist für den prominenten Umweltschützer darüber hinaus: Erst im August hatte das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) eine mit Spannung erwartete Langzeitstudie zur Verschmutzung im Ogoniland durch Shell veröffentlicht. Es standen milliardenschwere Entschädigungsforderungen im Raum, die katastrophalen Bedingungen im Nigerdelta waren international ins Bewusstsein gerückt. „Und nun macht Shell einfach weiter und verschmutzt unsere Küste“, so Bassey.

http://www.taz.de/lkatastrophe-vor-Nigeria/!84348/

  • Shell zahlt für Ölpest in Nigeria

Das Unternehmen selbst hat mit Bedauern auf den Vorfall reagiert. In einer Pressemitteilung ließ Mutiu Sunmonu, Vorsitzender von Shell Nigeria, verkünden: Man sei sehr besorgt über den Vorfall und werde alles tun, um die betroffenen Gebiete so schnell wie möglich zu reinigen. Ohnehin sei der Ölfilm nur sehr dünn gewesen.

Massive Shell Oil Spill Approaches Nigerian Coast

Communities along Nigeria’s Niger Delta have been put on alert following a major oil spill from the oil giant Shell. Satellite images indicate the spill has spread over 356 square miles, appearing to be the worst in the area in over a decade. A massive oil slick is making its way to the Nigerian coast, threatening local wildlife and massive pollution along the shore. Shell says less than 40,000 barrels have leaked so far, but Nigeria’s National Oil Spill Detection and Response Agency says the spill could be three times as large. The spill comes just four months after the United Nations said it would take 30 years and around $1 billion for a small section of the delta to recover from environmental damage caused by Shell and other companies.

 

http://www.democracynow.org/2011/12/23/headlines#7

UMWELTVERSCHMUTZUNG IN AFRIKADie vergessene Ölkatastrophe in Nigeria

Verrottende Bohrköpfe, geplatzte Pipelines und illegale Raffinerien: Das Nigerdelta ist seit Jahrzehnten mit Öl verseucht. Ein Film von Jörg Brase vom ZDF-Auslandsjournal

Das Öl hat die Fische getötet und das Land mit einer schwarzen Schicht überzogen. Die Ölkonzerne sind weg, aber die Menschen im Nigerdelta kämpfen weiter ums überleben [Video kommentieren]

Der Ölfluss, der seit Monaten den Golf von Mexiko verschmutzt, scheint vorerst gestoppt zu sein. Doch dieser kleine Erfolg des Ölkonzerns BP im Kampf gegen die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA ändert nichts an den Folgen, die das giftige Öl für die Umwelt an den Küsten, die Tiere und Pflanzen im Meer und für die Menschen vor allem in Louisiana, Mississippi und Alabama haben wird. Es wird Jahrzehnte dauern, bis sich die Natur von diesem Schaden erholen wird.

Die Ölpest im Golf von Mexiko wurde auch medial von Beginn an begleitet – seit der Explosion der Bohrplattform Deepwater Horizon wurde jeder Versuch dokumentiert, die Umweltkatastrophe aufzuhalten.

Ganz anders ist das im Nigerdelta in Westafrika: Jedes Jahr verschmutzen dort 13 Millionen Barrel Öl das sumpfige Land und die Küste. Das entspricht der Menge, die beim Unglück des Tankers Exxon Valdez im Jahr 1989 vor Alaska ins Meer lief. Ab und zu berichten Journalisten aus dieser Region – doch mit der Resonanz auf die Ölpest in den USA ist das nicht zu vergleichen.

Zwar bohrt der Ölkonzern Shell seit 1993 nicht mehr im Nigerdelta nach Öl, doch zurückgelassene Bohrköpfe und verrottende Pipelines verschmutzen das Flussdelta weiter.

Der Journalist Jörg Brase war für das ZDF-Auslandsjournal im Nigerdelta und hat Menschen getroffen, die dort zwischen verrotteten Bohrköpfen nach Fischen suchen oder unter primitivsten Bedingungen in illegalen Raffinerien Treibstoff herstellen.

ZEIT ONLINE zeigt seine Dokumentation, die deutlich macht, welch hohen Preis die Menschen im Westen Afrikas auch heute noch für den Wohlstand in anderen Ländern zahlen müssen.

http://www.zeit.de/wissen/2010-07/auslandsjournal-oelpest-nigeria

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