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Unter größten Sicherheitsvorkehrungen wird entschieden, ob Wikileaks-Informant Bradley Manning der Prozess gemacht werden soll -Sicherheitsvorkehrungen wie bei einem Terrorprozess – Bradley Manning: „Hypothetische Frage: Wenn du freien Zugang zu geheimen Netzwerken hättest, 14 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche … und du unglaubliche Sachen sehen würdest, schreckliche Sachen …, was würdest du tun?“ Bald weiß Lamo, dass nur Manning die Quelle für die größten Coups von Wikileaks sein kann. Er verpfeift ihn.

Dezember 17, 2011

„Wieso war das Zeug so vertraulich?“
Reportage | 16. Dezember 2011 18:24

Foto: AP/Hager

Mit Fahnen für Bradley Manning: Vor dem Sitz des Militärgeheimdienstes NSA in Fort Meade, Maryland, demonstrierten am Freitag Aktivisten für den Wikileaks-Informanten. Im Falle eines Prozesses droht ihm lebenslange Haft.

Unter größten Sicherheitsvorkehrungen wird entschieden, ob Wikileaks-Informant Bradley Manning der Prozess gemacht werden soll

Ein kleiner, schmuckloser Raum in einem unscheinbaren Flachbau. Dunkles Holz, grauer Fußbodenbelag. Bradley Manning trägt die gescheckte Uniform eines US-Soldaten. Er spielt nervös mit seinem Stift. Zwischen seinen breitschultrigen Verteidigern wirkt er wie ein schmächtiger Bub. „Yes, Sir“ , antwortet er, als ihn der ermittelnde Offizier Paul Almanza fragt, ob er verstanden habe, welche Rechte er besitze. Dass er entweder eine Erklärung abgeben oder schweigen könne.

Die Sicherheitsvorkehrungen sind streng in Fort Meade, so streng wie bei einem Terrorprozess. Im fensterlosen Pressezentrum wird das WLAN abgeschaltet, sobald das Gericht zu tagen beginnt. Hier sitzt die National Security Agency, der US-Militärnachrichtendienst, spezialisiert auf das Abhören von Telefonaten und das Mitlesen von E-Mails.

Almanza verliest den gravierendsten Anklagepunkt: Unterstützung des Feindes. Darauf kann die Todesstrafe stehen, in Mannings Fall wollen die Staatsanwälte lebenslange Haft beantragen, das haben sie bereits vorher deutlich gemacht. David Coombs, der zivile Verteidiger des Gefreiten, hat beantragt, führende Politiker in den Zeugenstand zu rufen, Präsident Barack Obama, Außenministerin Hillary Clinton, den früheren Pentagon-Chef Robert Gates. Almanza hat abgelehnt.

Nun, gleich zu Beginn der Anhörung, verlangt Coombs, den ermittelnden Offizier abzulösen, wegen Befangenheit. Geht es nach dem Anwalt, soll die Regierung erklären, warum die Dokumente, die Manning an Wikileaks weiterleitete, überhaupt als geheim eingestuft wurden. „Wieso war das Zeug vertraulich? Warum dauert es so lange, um das zu klären?“ Seit jenem Tag im Mai 2010 warte die Öffentlichkeit auf eine Antwort, bis heute vergeblich.

Der Tag, auf den Coombs anspielt, ist der 21. Mai 2010.

Der Obergefreite Manning verbringt ihn in einem stickigen, fensterlosen Raum vor dem Computer, wie alle Tage in der Forward Operation Base Hammer, 60 Kilometer östlich von Bagdad. Ein Analyst, der Informationen auswertet. Er sucht einen Menschen, dem er sich anvertrauen kann. Unter dem Pseudonym „bradass87“ beginnt er zu chatten, mit dem Kalifornier Adrian Lamo, einem Halbgott der Hackerszene. Manning sieht in ihm einen Seelenverwandten. „Hypothetische Frage: Wenn du freien Zugang zu geheimen Netzwerken hättest, 14 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche … und du unglaubliche Sachen sehen würdest, schreckliche Sachen …, was würdest du tun?“ Bald weiß Lamo, dass nur Manning die Quelle für die größten Coups von Wikileaks sein kann. Er verpfeift ihn. Am 26. Mai wird der Gefreite im Irak verhaftet.

Mannings Gegner zeichnen das Bild eines Verlierers, der sich auf seine Art rächen wollte. Eines jungen Mannes, der Probleme habe, der schwul sei und ein bisschen gestört. Seine Sympathisanten nennen ihn einen „Whistleblower“ , einen Informanten, der Missstände aufdecken wollte. In seinem Chat mit Lamo, im Sommer veröffentlicht vom Computermagazin Wired, hat er selbst moralische Begründungen vorgebracht. Er müsse der Welt alle Schattenseiten Amerikas offenbaren, weil nur Offenheit die Menschheit zur Umkehr bewege, schrieb er. Politik müsse so transparent sein, wie es die amerikanische Verfassung garantiere. (Frank Herrmann aus Fort Meade /DER STANDARD, Printausgabe, 17.12.2011)
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