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Bekannter Rechtsextremist richtet in Florenz willkürliches Blutbad unter Afrikanern an: Zwei Tote, mehrere Schwerverletzte – Rechtsradikale Strömungen feierten Morde – Immigranten demonstrierten

Dezember 13, 2011

Rechtsextremer erschießt in Florenz zwei Senegalesen

GERHARD MUMELTER AUS ROM, 13. Dezember 2011 17:41

Angreifer eröffnet auf einem Markt das Feuer – Neonazis feiern die Tat: „Er ist einer von uns“

Ein Rechtsextremist hat am Dienstag in Florenz das Feuer auf zwei Gruppen senegalesischer Wanderhändler eröffnet. Zwei wurden getötet, drei weitere teilweise schwer verletzt. Der flüchtige Täter beging anschließend Selbstmord.

Der 50-jährige Gianluca Casseri aus Pistoia kreuzte am Vormittag auf einem von viele afrikanischen Händlern besuchten Markt im Nordteil der Stadt auf. Plötzlich schoss er mit einer Magnum-Pistole auf mehrere Senegalesen. Zwei wurden dabei getötet, zwei weitere mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.

Auf der Piazza Dalmazia brach Panik aus. Zahlreiche Menschen flüchteten und suchten Schutz in umliegenden Geschäften.Mehrere Passanten verfolgten den flüchtigen Täter, einer fotografierte ihn mit dem Handy, als er in seinen Wagen stieg.

Nur wenige Stunden später tauchte Casseri auf dem Markt von San Lorenzo im Stadtzentrum auf und richtete seine Waffe erneut auf zwei Senegalesen. Beide wurden verletzt. Ein Zeitungshändler, der sich ihm in den Weg stellen wollte, wurde bedroht: „Hau ab, sonst wirst du auch abgeknallt.“

Attentäter getötet

Der Täter flüchtete schließlich in nahe Tiefgarage. Ob er dort bei einem Feuergefecht mit der Polizei getötet wurde oder die Waffe gegen sich selbst richtete, war zunächst unklar. Der ermittelnde Staatsanwalt Giuseppe Quattrocchi äußerte die Vermutung, der Täter, der seinen Wagen in der Tiefgarage geparkt hatte, habe sich „beim Anblick der Polizei selbst gerichtet.“

Casseri ist ein amtsbekannter Rechtsextremist, der mehrmals an Kundgebungen ultrarechter Gruppen teilgenommen hat und der zum Umfeld des rechten Kulturzentrums Casa Pound gerechnet wird. Dort wird er als introvertierter Einzelgänger und Tolkien-Anhänger geschildert. Der aus einer Kleingemeinde bei Pistoia stammende Täter hatte vor einigen Jahren einen Roman mit dem Titel Der Schlüssel zum Chaos publiziert.

Nach dem Doppelmord kam es in Florenz zu einer spontanen Kundgebung von Immigranten. Mit Rufen wie „Schande“ und „Rassisten“ marschierten die aufgebrachten Afrikaner auf die Präfektur, kippten Motorräder und Verkehrsschilder um.

Erst als sie vom Tod des Täters erfuhren, beruhigten sich die Demonstranten. Die Polizei versuchte, handgreifliche Auseinandersetzungen zu verhindern. Ultrarechte Gruppen wie Stormfront verherrlichten wenige Stunden später im Internet Casseris Tat: Er ist einer von uns.“

Erst vor drei Wochen war bekannt geworden, dass in Deutschland Neonazis über mehrere Jahre mindestens zehn Menschen getötet und mehrere Sprengstoffanschläge auf Migranten verübt hatten. Die mutmaßlichen Terroristen waren vom Verfassungsschutz unbemerkt geblieben. (GerhardMumelter aus Rom, DER STANDARD-Printausgabe, 14.12.2011)

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